Die galaktische Turnfee Nereida Drei

Kap. 59: Eine völlig neue Welt

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Aus Ingos Sicht. R-Wi? Wir sind auf R-Wi? Das kann einfach nicht sein. Ich muss träumen. Wie kamen wir hier her? Unglaublich! Ich schaute mich um. Das hier war hundertprozentig nicht mein Wohnzimmer. Es sah in der Tat hier etwas seltsam aus. Wir befanden uns in einem großen Saal! Mit kleinen Öffnungen, wohl Türen, und mit einem großen verschlossenen Tor. Der Saal war in etwa so groß wie unsere Turnhalle. Wobei das mit den Entfernungen schätzen nicht so klappen wollte, da es hier etwas schummerig war. Prächtig gestaltete Wände, wahrscheinlich aus Holz, das konnte ich nicht richtig erkennen. Seltsame Muster, merkwürdig geschwungen! So ähnlich wie auf Nereidas Amulett. Recht farbenfroh sah der Saal aus. Darunter befanden sich auch Farben, die ich noch nie sah! Die warm waren! Wärme war Farbe! Und neben Violett sah ich noch eine andere Farbe, für die ich keinen Namen kannte. Gedämpftes Licht schien aus surreal anmutenden Lichtquellen und wurde an glitzernden, schwer fassbaren Objekten an Decke und Wänden mysteriös reflektiert. Ganz leichte schwebende Klänge waren im Hintergrund zu hören, eine entspannend wirkende Stimmung nahm von uns Besitz und erfüllte uns mit Ruhe. Ich dachte bei der Musik entfernt an Mobys Song "Long Ambients LA4". Es war aber dennoch schwer, irgendwas Vertrautes auszumachen. Hatte Nereida doch recht? Waren wir also wirklich auf R-Wi? Ich schaute Lisa und Oksana an. "Lisa? Oksana?" Meine Stimme hörte sich heller an als normal. Und sie hallte von den Wänden zurück. Wir schauten einander an. Ein skeptisches "Ingo?" kam von den beiden, auch viel heller gesprochen. "Ja", stieß ich hervor, erneut verwundert über den seltsamen Klang meiner Stimme. Und noch etwas Seltsames: Auch die beiden Erdenfrauen sahen anders aus! Sie trugen beide einen violetten Turnanzug und rote Leggings. Das hätte ich ja noch als normal angesehen. Aber sie waren, genau wie Nereida, Beata und Kollato, im Gesicht total bleich und hatten lange kräftig rote Haare! Nicht schwarz, oder blond, wie ich die beiden kannte! Und beide waren hagerer. Die beiden hatten das auch gemerkt und waren genauso erschreckt und erstaunt gleichzeitig. "Sind wir wirklich hier in deiner Heimatwelt R-Wi, liebe Nereida?" fragte Oksana verwundert. Nereida kam auf Oksana zu, umarmte sie und strahlte: "Ja, meine liebste Freundin! Ja, liebe Lisa und lieber Ingo! Wir sind hier auf R-Wi. Das ist wahr!" Beata folgte ihr. Ich hätte sie nicht wiedererkannt, denn sie sah doch deutlich anders als auf der Erde aus. Sie lächelte und sprach zu uns, in einer ebenfalls helleren Stimme: "Auch ich, Beata, heiße euch drei ganz herzlich willkommen. Nereida hat Recht, wir alle sind jetzt auf R-Wi; in meiner, Nereidas und Kollatos Heimat." Beatas Willkommensgruß drang gar nicht so richtig zu mir durch, so eingenommen war ich von der Situation. Und ich wunderte mich, dass sie so fremdartig aussah. Und ich fragte mich immer noch, wie wir denn hier hergekommen waren. Ich schaute Beata, dann Kollato verdutzt an. Er sah mein Erstaunen und kam zu mir. "Aber wie sind wir hierher gekommen, Kollato?" fragte ich. Oksana und Lisa lauschten ebenfalls. Er lächelte: "Lieber Ingo, liebe Lisa und Oksana, wir haben eine Reise über Dimensions- und Raumgrenzen unternommen. Wir haben etliche Galaxien passiert. Das alles wurde nur durch den Tanz von euch und von uns zusammen angestoßen. Wir nennen ihn den Intergalaktischen Verschiebetanz." "Ich habe die Reise so empfunden, als wenn ich ein Gedanke wäre, der irgendwo im Nichts existiert." "Genauso Ingo, du hast es sehr gut beschrieben. Wir waren Gedanken. Im ganzen Weltall sind nur Gedanken schneller als die Lichtgeschwindigkeit. Bei einer Reise in einem Raumschiff mit sagen wir 10% Lichtgeschwindigkeit hätten wir Hunderttausende von Jahren hierher benötigt", erklärte Kollato, "und auch deine Gedanken, mit denen du Nereida damals gerufen hattest, haben diese ungeheure Strecke in Millisekunden zurückgelegt." "So funktioniert das also." Ich war zufrieden mit seiner Erklärung. Kollato nickte. Lisa sah uns alle etwas verhalten an und fragte Beata: "Und warum sehen wir jetzt anders aus, Bea?" Beata antwortete: "Liebe Lisa, liebe Oksana und lieber Ingo, ihr seid hier auf R-Wi. Und ihr könnt hier nur leben und überleben, wenn ihr einen Körper wie Kollato, Nereida und ich habt. Diese Körper sind bestens an die Lebensbedingungen von der Welt R-Wi angepasst. Es gibt hier zum Beispiel keinen Sauerstoff wie auf der Erde. Wir haben euch in diese Körper gesteckt. Deshalb seht ihr jetzt aus wie die R-Wi-i. So heißen wir Bewohner von R-Wi." "Und so, wie ihr uns jetzt seht, sehen wir - Beata, Kollato und ich - in Wirklichkeit aus", ergänzte Nereida. Oksana bewunderte ihre galaktische Freundin. "Oh Nereida, liebste Turnfee, so wie du jetzt aussiehst, mag ich dich auch gerne leiden. Mit schönen langen roten Haaren." Nereida freute sich und drückte Oksana dafür ganz lieb an sich. "Nereidas Gesicht erkenne ich ja in etwa wieder. Aber Bea, du siehst ja jetzt so ganz anders aus. Komplett anders", bemerkte Lisa erstaunt. "Das liegt daran, liebe Lisa, dass die Tabea, deren Leben ich nach ihrem Tod ja weitergelebt hatte, ganz anders als ich aussah. Ich hatte ja damals Tabeas Körper und damit ihr Aussehen übernommen und sah vorher als Beata von R-Wi anders aus. Also so, wie ich jetzt gerade aussehe." Lisa dachte kurz nach. "Ach so ist das. Ich verstehe." Beata nickte. "Und wie kommt es, dass wir rothaarig sind, Bea?" "Lisa und Oksana, alle weiblichen Bewohner von R-Wi, genannt R-Wi-a, haben lange rote Haare und deshalb habt ihr beide auch lange rote Haare, so wie ich und Nereida. Und Ingo, du als Mann bist hier ein R-Wi-o wie Kollato und hast deshalb lange schwarze Haare", fügte Beata hinzu. Da fiel mir erst auf, dass meine Haare genauso lang waren wie die von Kollato und den Frauen! Ich fühlte mit meinen Händen meine lange Mähne. Die Haare reichten bis zu den Schultern und den Oberarmen. Wir trugen auch alle keine Schuhe, sondern standen barfuß da. Es war aber nicht kalt. Der Boden war angenehm warm, aber sonst unbeschreiblich. Kein Parkett, kein Stein, kein Teppich. Lisa fiel es schwer: "Puh, das muss ich erst mal verarbeiten. Es ist alles komplett neu hier für mich, für uns. Ich weiß noch nicht, ob es mir gefällt. Denn ich erkenne hier fast nichts wieder." Nereida entgegnete: "Das ist ja ganz normal, Lisa! Es ist auch sehr viel anders hier. Wir drei haben natürlich damit gerechnet, dass ihr drei hier erst mal 'ankommen' müsst." "Und Nereida, wir alle haben ja auch hier Turnanzüge an! Die von Lisa und mir sind violett. Ingos ist blau. Und wir tragen rote Leggings", bemerkte Oksana freudig. Wir schauten die Turnanzüge und die Leggings an, befühlten sie mit den Händen. Ein schönes Gefühl. So sanft, noch schöner als die irdischen Lycra-Kleidungsstücke. "Ja, liebste Oksana, Turnanzüge und Leggings oder Ganzanzüge tragen alle R-Wi-i hier. Und zwar überall in unserer Welt, nicht nur in der Turnhalle!" strahlte Nereida. "Hey, es sieht einmalig klasse aus! Und die Turnanzüge auch! Nereida, deine Welt bzw. dieser Raum sieht fast aus wie eine Traumwelt! Schöne Farben! Beeindruckende Muster! Einfach toll!" "Ooh das freut mich sehr, Oksana-ke-re-whenn-inne, dass du es hier schön findest!" Nereida drückte Oksana liebevoll an sich. Lisa war noch nicht überzeugt. "Aber wir dürfen doch auch wieder zurück, oder?", fragte sie etwas ängstlich. Beata fühlte Lisas Furcht. "Selbstverständlich, Lisa", meinte sie, legte ihren Arm um Lisas Schultern und drückte sie kurz an sich. Ich schaute mich um. "Warum habt ihr uns denn vorher nicht gesagt, dass ihr uns hierher bringt?" "Es sollte erstens eine Überraschung sein. Wir wussten zweitens auch nicht, ob ihr das einfach so mitmacht", sagte Beata mit einem leicht schelmischen Gesichtsausdruck. "Ja, die Überraschung ist euch gelungen", meinte ich, schaute mich weiter um. Lisa näherte sich der einen Holzwand. Ich ging ein paar Schritte mit. Sie fasste die Wand an und stutzte. Nur für mich hörbar sagte sie: "Kein Holz. Keine Natur. Kein Leben. Nicht mal Stein. Es ist alles nur Plastik. Alles künstlich hier. Der Boden genau wie die Wände! Keine Pflanzen hier. Wie deprimierend für so einen an sich schönen Raum. Schnief." Sie sah bedrückt aus. Während Lisa die Wand untersuchte, antwortete Oksana direkt nach meinem Einwurf mit der gelungenen Überraschung und zog damit die volle Aufmerksamkeit der drei R-Wi-i auf sich: "Vielleicht bin ich schuld, ich wollte gerne mal hierher. Ich habe Nereida und Bea letzten Donnerstag darauf angesprochen, als die beiden bei mir waren, und Bea wollte auch Ingo und Lisa mitnehmen." "Das stimmt", meinte Beata. "Und vergiss nicht die Ehrung", sagte Nereida. Lisa setzte eine fröhliche Miene auf, drehte sich um, wir gingen wieder zu den anderen. "Ich kapiere langsam. Ihr ehrt uns, indem ihr uns in eure Welt mitgenommen habt und sie uns zeigt", meinte ich. "Ja, aber das ist nur ein Teil der Ehrung", lächelte Kollato. "Was kommt denn noch? Was ist das hier eigentlich für ein Raum? Und wo auf R-Wi sind wir denn hier genau?" fragte ich.


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