Die galaktische Turnfee Nereida Drei

Kap. 64: Gunda kommt zur TuFiTa

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Aus Ingos Sicht. ***Teil 1*** In der Nacht zu Mittwoch. Aus Ingos Sicht. Lisa wachte auf, drei Uhr nachts und weckte mich. "Ingo, ich war schon wieder auf diesem blöden Planeten. Im Traum." Ich nahm sie in den Arm. "Ach Lisa, du bist hier bei mir auf der Erde." "Ja, ich weiß. Das ganze von gestern Abend nimmt mich noch zu sehr mit." "Kann ich nur zu deutlich verstehen. Versuche weiter zu schlafen. Ich bin bei dir." "Ja, mal sehen. Danke, dass du da bist." Ich küsste sie sanft auf die Wange. Sie legte sich hin und schlief nach einer Weile wieder ein. Mittwoch Morgen. Auch morgens berichtete Lisa mir wieder von Träumen, die mit dem vorigen Abend zu tun hatten. Sie sagte niedergeschlagen: "Ich glaube, ich gehe heute Abend doch nicht zur TuFiTa. Nereida und Bea würden mich immer wieder an diesen komischen Planeten erinnern. Ich brauche Abstand." "Wenn du meinst, dann mach das doch. Es ist in Ordnung." "Danke Schatz." Ich ging wie gewohnt zur Arbeit. Allerdings musste ich auch oft an diese geradezu fantastische Reise denken. Ist ja nichts alltägliches. Mittwoch Abend. Dunkle Wolken zogen auf. Gerade vor den ersten Regentropfen kam ich noch trocken in der Turnhalle des TSV Obertupfingen an. Ich wartete dort ab. Es war viertel vor sieben, in Kürze sollte wieder die TuFiTa beginnen und ich hatte wieder Julias roten Turnanzug an. Er gefiel mir immer noch echt gut. In der Damen-Umkleide. Nereida trug wieder ihren schwarzen Turnanzug Nereida-III. Sie sprach frohgemut mit den anderen. Zwei Überraschungen geschahen: Die erste: Gunda tauchte auf. Damit hatte ich gar nicht gerechnet! Die zweite: Lisa kam nicht. Wovon ich ja wusste. Nereida freute sich sehr über Gunda. Die beiden umarmten einander lange. Sie stellte Gunda den anderen vor. Die TuFiTa-Frauen freuten sich, dass sie gekommen war. "Ich bin Gunda, Ingos Schwester. Ich bitte um etwas Nachsicht, da ich komplett untrainiert bin und gerate schnell außer Puste." "Alles klar, Gunda, du machst dann nur so gut mit, wie du kannst", meinte Christina lächelnd. "Wir nehmen Rücksicht auf dich, Gundi", meinte Nereida erfreut. Gunda war froh. Aber Nereida wurde umso bedrückter, ja weiter die Uhr Richtung 19 Uhr ging. Sie wartete auf Lisa. Aber Lisa kam nicht. Oksana bemerkte Nereidas traurige Grundstimmung und umarmte sie. Nereida ließ es geschehen, es tröstete sie aber nicht besonders. Beata war schon in der Halle, sie hatte vorher ja ihre Mädchenriege trainiert. Sie trug den rot-weißen Vereins-Turnanzug, der ihr immer noch fabelhaft stand. Ich sah die Frauen alle gut gelaunt in die Halle kommen, bis auf Nereida mit einem bedrückten Gesicht. Bei Nereida war das bedenklich. Lisa war nicht unter ihnen, genauso wie sie mir es mitgeteilt hatte. Aber dafür kam Gunda! Was für eine Überraschung! Schick sah sie aus, in dem schwarzen Nereida-III-Turnanzug! Gunda strahlte, als sie mich sah, kam und umarmte mich. "Hallo lieber Ingo!" "Hallo Gundi, schön, dass du gekommen bist! Ich bin echt überrascht!" "Ja, ich möchte das doch mal ausprobieren. Beim Turnfest hat mir eure Vorführung gefallen und Nereida hat mich eingeladen mitzumachen." "Das freut mich sehr. Schick siehst du aus, in deinem schwarzen Turnanzug, Gundi." "Danke, den hab ich von Nereida bekommen. Er sitzt sehr bequem. Viel, viel besser als die kratzigen, engen, altmodischen Turnanzüge aus der Schulzeit. Und sieht auch gut aus." "Das merkt man, du strahlst ja." "Oh ja, Ingo. Ich fühle mich auch wohl. Dein roter Turnanzug sieht aber auch gut aus." "Danke, ich mag ihn auch gern. Den hatte mir Julia geschenkt." Als Julia ihren Namen hörte, kam sie zu uns. "Hallo Ingo, hallo Gunda, sprecht ihr über mich?" fragte sie neugierig. "Ja, wir sprachen über meinen Turnanzug. Und dass du ihn mir geschenkt hattest." "Das ist fast richtig. Ich hatte eine Bedingung daran gestellt." "Welche Bedingung denn?", fragte Gunda. "Dass Ingo in der TuFiTa bleibt und weiterhin mit uns Frauen turnt", meinte Julia. "Tja, Julia, und heute Abend trage ich schon zum sechsten Mal hier deinen Turnanzug." "Hey, schon so oft? Ich bin verblüfft und begeistert." "Hier kommt er ja auch zu Ehren." Wir lachten. Beata besprach währenddessen mit Christina, was sie für die Stunde vorhatte. Beatas Plan war, Christina zur Co-Trainerin zu machen, sie hatte sie in den vergangenen Monaten dementsprechend ausgebildet und hatte vor, demnächst mal Christina probeweise die Stunde leiten zu lassen. Christina sollte bald extern ihren Trainerschein machen. Beata wies nach dem Gespräch mit Christina die Frauen an, die Sportgeräte nach ihren Plänen aufzustellen. Dann wurde sie von ihrer Schwester Nereida gerufen, die auf einer Turnbank verdrießlich an der Seite der Halle saß, zu Boden guckte und sich mit dem Händen auf der Bank abstützte. Für Nereida, die fast immer irgendwie gut gelaunt und in Bewegung war, war das ein seltener, beunruhigender Zustand. Wir anderen waren alle gut drauf. Nur die beiden Schwestern nicht. Nereida und nun auch Beata wirkten sehr gedrückt. Ich konnte mir gut vorstellen, warum. Ich ging zu den beiden, während die anderen Frauen mit dem Aufbauen beschäftigt waren. "Hallo ihr zwei." Sie saßen da und schauten mich verhalten an. Nereida sagte nichts, schaute dann wieder betreten zu Boden. "Hallo Ingo. Wie geht es dir? Und wie geht es Lisa? Wo ist sie?" fragte Beata gedrückt. "Mir geht es eigentlich gut. Lisa ist bei sich zuhause und liest in ihren Fachbüchern." "Warum kommt sie nicht zur TuFiTa?" "Sie hat die Nacht sehr schlecht geschlafen und schlecht geträumt. Sie sagt, sie braucht erst mal Abstand von allem. Sie sucht Ablenkung. Sie will in ihren Büchern lesen. Das sagt sie jedenfalls, aber sie ist nicht konzentriert dabei, sie ist so durcheinander. So nachdenklich. So still. Und niedergeschlagen." Nereida dachte an den vorigen Tag, stützte sorgenvoll den Kopf mit ihren Armen auf die Beine und schluchzte. Beata fragte vorsichtig: "Wann kommt sie denn wieder?" "Weiß ich nicht. Sie konnte es mir nicht sagen. In so einem Zustand habe ich sie auch noch nicht erlebt. Meine Versuche zu trösten haben einfach nicht gewirkt. Lisa sagte, sie würde das hinkriegen, aber sie ist im Innern furchtbar traurig. Sie hatte mich hier hergeschickt, ohne Widerrede. Sogar ich durfte nicht bleiben. Sie wollte nur alleine sein und nichts und niemanden sehen." Tränen traten in Nereidas Augen. Es ging ihr so nahe. "Ich kann heute nicht mitmachen, ich fühle mich so mies!", schluchzte sie. Nereida stand auf, lief an uns vorbei, in die leere Damen-Umkleide hinein. Beata sah bedrückt ihrer Schwester hinterher, war auf dem Sprung, ihr zu folgen, blieb aber sitzen und schaute nur geknickt zu Boden. Ich setzte mich zu ihr und umarmte sie still. Sie ließ es geschehen. "Ach Bea...". Sie lehnte ihren Kopf an meine Schulter. Einen Moment saßen wir da. Beata weinte leise, ich versuchte sie zu trösten. So hatte ich Beata in der Turnstunde noch nie erlebt. Sie war nicht mehr die souveräne Trainerin Tabea, sondern nur noch ein trauriges Mädchen, eine verzweifelte R-Wi-a. Sie winkte dann Christina. Diese kam zu uns hinüber, worauf ich Beata los ließ. "Übernimmst du heute bitte die Stunde, Christina?" bat Beata sie matt. "Ja, kann ich machen. Bea, was ist denn mit dir?" "Meiner Schwester geht es nicht gut, und ich fürchte, mir auch nicht." "Dann ruhe dich aus, Bea, ich übernehme heute mal die Führung. Du hast mich gut vorbereitet. Mache dir darum keine Sorgen. Kann ich etwas für dich tun?" Beata schüttelte den Kopf, woraufhin Christina zurück zu den anderen lief und Anweisungen gab. "Danke Ingo, dass du mich getröstet hast. Das war nett von dir", sagte Beata tonlos zu mir, mit einem Anflug eines Lächelns. "Du kannst jetzt beruhigt zu den anderen gehen. Ich bleibe hier." "Gern geschehen, liebe Beata. Wenn du Hilfe brauchst, rufe mich." Sie nickte freundlich. Ich stand auf und ging zu den Frauen, guckte aber zurück zu Beata. Sie blieb auf der Turnbank sitzen und sah nachdenklich aus. Beata wäre ihrer Schwester liebend gern hinterher gelaufen, fühlte aber, dass Nereida alleine sein wollte. Christina rief, und wir liefen uns alle im großen Kreis warm. Beata schaute Christina und der TuFiTa zu. Es gefiel ihr, was Christina machte, aber sie konnte sich nicht daran freuen, denn sie musste immer wieder an Nereida und Lisa denken. Nereida war derzeit im leeren Umkleideraum, tänzelte herum und dachte an Lisa. Nereida: Liebe Lisa, hier Nereida, darf ich mit dir sprechen? Lisa: Ach Nereida, ich würde gerne alleine sein. Ganz alleine. Nereida: Aber liebe Lisa, kann ich irgendetwas für dich tun? Lisa: Kannst du. Lass mich ganz alleine. Nereida: Lisa, ich möchte dir so gerne helfen. Lisa: Nereida, ich habe schlecht geschlafen, ich hatte Albträume von der R-Wi-Welt. Nereida: Und du fühlst dich durcheinander? Lisa: Ja. Ich bin durcheinander. Das war alles sehr viel für fünf Stunden. Zu viel. Nereida: Und du fürchtest, damit nicht klar zu kommen? Lisa: So ist es. Nereida: Und du fürchtest dich davor, allein gelassen zu werden? Lisa: Ja. Die Zeit alleine in deinem Haus war furchtbar. Ich hatte große Angst. Nereida: Und wie fühlst du dich jetzt? Lisa: Auch alleine. Nereida dachte für längere Zeit nichts. Lisa: Nereida? Hörst du noch zu? Bist du noch da? Nereida: Ja, Lisa. Lisa: Komm doch bitte vorbei, ich möchte nicht alleine sein. Nereida: Wenn du das möchtest, komme ich. Lisa: Ja, bitte, Nereida. Nereida: Ich mache mich sofort auf den Weg, Lisa. Nereida drehte sich schnell, konzentrierte sich auf Lisas Wohnung, und die Lichter nahmen sie mit in Lisas Wohnzimmer. Ein paar Sekunden nach Nereidas Abreise ging Beata doch noch in den nun leeren Umkleideraum, um ihre Schwester zu trösten. Nereida war nicht mehr da. Beata seufzte, machte von innen die Tür zu, setzte sich auf eine Bank, stützte ihren Kopf mit den Armen auf den Knien ab und dachte nach. Sie dachte an ihre Schwester, wie betroffen und traurig sie war, weil Lisa nicht kam. Beata selbst war auch noch genauso traurig. Sie dachte an gestern und an Lisas Glück und Unglück. Vielleicht ist Nereida jetzt bei Lisa. Beata beschloss, die Ruhe zu genießen und abzuwarten, bis Nereida sich bei ihr melden würde. Und sie vertraute Christina, dass sie die TuFiTa auch gut alleine führen kann. Nereida landete inzwischen tänzelnd in Lisas Wohnzimmer. "Nereida!" rief Lisa erfreut. Sie sprang auf. "Lisa, liebe Freundin!" "Oh wie schön, dass du kommst, Nereida!" "Ich konnte dich einfach nicht alleine lassen, Lisa. Nicht noch einmal." Die beiden Frauen umarmten einander und schluchzten. Lisa zog Nereida auf ihr Sofa und ließ sich darauf plumpsen. Sie sah geschafft aus. "Liebe Nereida, ich habe so viel denken müssen, das hat mir eine schlechte Nacht und Albträume beschert und ich bin so durcheinander. Ich muss zu mir selbst finden." "Du hast gestern ja auch viel Fremdes, Neues, Gewöhnungsbedürftiges und auch Seltsames erlebt." "Das stimmt. So viele Eindrücke, es war einfach zu viel für mich! Und zwar sowohl schöne Sachen als auch nicht so schöne Sachen." "Lisa, ich habe versucht, das Schönste dir, Oksana und Ingo zu zeigen. Und dass es harmonisch und liebevoll zugeht." "Es war ja auch schön, Nereida. Wie ich schon sagte. Wenn die Sache mit dem Alleingelassensein nicht wäre. Ich möchte nicht alleine sein. Bleib bitte bei mir." Sie schluchzte. Nereida nahm Lisa in den Arm, dachte nach. "Lisa, hat man dich denn früher mal alleine gelassen, was dich sehr verstört hat?" Sie nickte. "Ja, als ich ein kleines Kind war." "Magst du mehr erzählen?" "Meine Eltern und meine Geschwister waren eines Tages nicht mehr da. Ich war da in einem dunklen Raum alleine und schrie und weinte." Bei der Erinnerung an die Vergangenheit kamen ihr die Tränen. Nereida drückte sie sachte. "Und als du in meinem verdunkelten Haus warst, dachtest du da an dieses Erlebnis?" "Ja! Es war fast wie damals. Alle waren weg! Ich rechnete schon mit dem Schlimmsten. Zum Glück kamen damals meine Eltern wieder zurück. Bitte lass mich nicht allein, Nereida!" schluchzte sie. "Ich bleibe bei dir, Lisa. Ich lasse dich nicht allein. Drück dich an mich." Lisa kuschelte sich an sie. Sie spürte durch den Turnanzug Nereidas warmen Körper, den gleichmäßigen Herzschlag, ein schönes Gefühl. Sie atmete ruhig, fühlte sich geborgen, geschützt. Nereida die galaktische Turnfee war da. Und sie blieb da. Ging nicht fort. Ließ sie nicht zurück. Es tat Lisa gut, die bloße Gegenwart Nereidas zu spüren. Auch Nereida fühlte einen Frieden, der keine Gedanken, Worte oder Tanz benötigte. Beide blieben so für ein paar Minuten liegen, verweilten in dem schönen Augenblick, kuschelten aneinander, sagten nichts, dachten nichts. Lisas Gesicht sah dann wieder fröhlicher aus. Sie löste sich aus der Umarmung und schaute Nereida freudig an: "Danke liebe Nereida, dass du für mich da bist und mich still in den Arm genommen hast. Danke, dass du auch einfach mal nichts gesagt oder gedacht hast. Ich fühle mich auch schon nicht mehr so allein. Wie machst du das bloß? Du bist doch eine Zauberfee." Nereida strahlte. "Gerne geschehen! Ich freue mich für dich, Lisa. Was möchtest du tun?" "Wollen wir beide ein bisschen tanzen, Nereida?" fragte Lisa mit einem Lächeln. Diese Frage brauchte man Nereida nicht zweimal zu stellen. "Aber ja, Lisa." "Ich ziehe auch deinen Turnanzug wieder an." "Da warte ich doch gerne." Lisa ging in ihr Schlafzimmer, zog ihr Kleid aus und dafür den schwarzen Nereida-III-Turnanzug an. So ging sie zurück ins Wohnzimmer, wo Nereida sie schon im gleichen Turnanzug erwartete. Sie umarmten einander und spürten sich intensiv, tänzelten umeinander und waren wieder froh. Die Leichtigkeit des Tanzens umfing beide, sie waren gut gelaunt und freuten sich. "Oh, das ist schön, Nereida. Schade, dass die anderen nicht hier sind." "Wir können ja zu ihnen kommen." "Ein netter Vorschlag. Aber es regnet draußen ziemlich doll, wir würden recht nass werden." "Ich könnte uns beide dahin tanzen. Natürlich nur, wenn du willst. Ich habe ja versprochen, dich vorher zu fragen." "Ja, das wäre gut. Aber das kriegen dann ja alle mit." "Nein, denn wir tauchen im Umkleideraum auf. Ich denke an Bea und gebe ihr Bescheid." "Aber Bea leitet doch die TuFiTa." "Heute nicht, sie hat sich von Christina vertreten lassen. Ich habe ihre Gedankensignale empfangen. Sie sitzt gerade alleine in der Damen-Umkleide." "In Ordnung, mach das, Nereida. Ich komme mit dir." Nereida dachte an Beata: Tinaxana Beata, liebe Schwester, ich komme gleich mit Lisa in die Damen-Umkleide geschwebt. Beata: Oh super, Nereida! Nereida: Ja, wir haben die Missstimmung bereinigt und die Harmonie wieder hergestellt. Beata: Du bist klasse, liebste Schwester! Nereida: Danke! Sorge mal dafür, dass niemand sonst in der Umkleide ist. Beata: Ja, Nereida, das mache ich. Bis gleich. Nereida und Lisa tanzten umeinander, fassten sich an den Händen und lachten vergnügt. Sie umfing das Licht, es wurde immer intensiver und nahm die beiden mit in die Damen-Umkleide der Turnhalle. Beata erwartete hocherfreut die beiden allein. "Hallo Lisa! Schön, dass du da bist!" "Bea! Ich freue mich auch. Deine Schwester hat mich aufgemuntert. Sie hat mir meine Niedergeschlagenheit genommen. Sie ist eine echte Zauberfee!" Nereida strahlte. Beata freute sich und umarmte Lisa zur Begrüßung, danach drückte sie Nereida innig an sich. Danke ke-re-ses, dachte sie. "Dann lasst uns mal in die Halle gehen. Lisa, die anderen wissen noch nichts von deiner Ankunft." "Na, die werden sich wundern", strahlte Lisa. Beata erzählte den beiden leise, was sie vorhatte. Nereida und Lisa waren begeistert. Alle drei gingen frohgemut zur Hallentür. ***Teil 2*** Währenddessen waren wir mit unserem Aerobic-Teil durch. Christina als Leiterin hat es auch gut gemacht. Sie war als Trainerin lange nicht so hart und streng wie Beata. Gunda musste dennoch kürzer treten, da sie die viele Bewegung und Anstrengung nicht gewohnt war. Wir gingen umher, während der Puls sich langsam wieder beruhigte. Für danach hatte Christina eine Tanz-Einheit angekündigt. "Schade, dass Bea, Nereida und Lisa nicht da sind", bedauerte Gunda, "ich hätte gerne mit ihnen getanzt." "Ja, ohne sie sind wir nicht komplett", sagte Femke. "Stimmt. Sie kommen aber bestimmt wieder, davon bin ich überzeugt. Lasst uns aber vorm Tanzen nochmal im Schritttempo im großen Kreis traben", meinte Christina. Die Frauen und ich gingen langsam los. "Ich wünsche mir fest, dass Lisa, Bea und Nereida zurückkommen", rief Gunda laut hörbar aus. Wir lächelten und dachten dasselbe. Zehn Meter, bevor wir an der Tür zur Damen-Umkleide vorbei gingen, öffnete sich plötzlich die Tür! Und heraus kamen gelaufen - Nereida, Beata UND Lisa! Alle drei strahlten, lachten und riefen laut: "Ja, wir sind zurück! Fangt uns doch!" Und liefen vor uns schnell davon, im großen Kreis. Ich wunderte mich, dass Lisa dabei war! Sah ich doch nur Nereida und später Beata in die Umkleide gehen! Hatten Nereida und Beata Lisa überredet? Und vor allem wie hatten sie es angestellt? Wie haben sie sie hergeholt? Christina rief laut zu uns: "Gundas Wunsch ist wahr geworden, hurra! Los, Mädels, hinter ihnen her!" Sie hatte uns und mich, den 'Hahn im Korb' eingeschlossen, 'Mädels' genannt, ich musste schmunzeln. Wir zehn staunten wegen der schnellen Wunscherfüllung, machten uns dann aber rasch an die Verfolgung. Es ging eine Runde um die Halle, wir hatten sie fast eingeholt, dann liefen die Gejagten in die Hallenmitte und begannen dort zu tanzen. "Tanzt mit uns!", rief Beata begeistert. Auch Lisa und Nereida sahen glücklich aus! Wir stellten die Verfolgung ein und tanzten mit ihnen zusammen. Gunda war begeistert und tanzte mit uns. In einer kleinen Pause umarmte ich Lisa: "Wie schön, Schatz, dass du hier bist. Und du siehst wieder glücklich aus." "Ja, ich freue mich auch. Nereida hat es geschafft, sie hat mich aus meinem Tief geholt." Nereida hörte ihren Namen, kam zu uns und freute sich mit uns. "Liebe Nereida, du hast die Harmonie wieder hergestellt", meinte ich froh, "ich danke dir vielmals." Nereida strahlte. "Ja, gerne, ich musste das einfach. Es war eine Herzensangelegenheit." Für eine Tanzübung von Christina sollten wir uns jeweils zu dritt zusammentun. So kamen Lisa, Gunda und ich zusammen. Wir fassten einander an den Händen, bildeten ein Dreieck und drehten uns um unseren gemeinsamen Mittelpunkt. Und drei andere Dreiecke taten es genauso. Christina stand in der Mitte aller vierer Dreiecke. "Und nun dreht euch nicht nur um euch selbst, sondern rotiert auch noch alle im Uhrzeigersinn um mich", rief sie. Das brachte Spaß! Gunda und Lisa juchzten fröhlich, die anderen Frauen ebenso. Eine Minute ging es so. "Und bleibt stehen! Wer von euch mir am nächsten steht, geht im Uhrzeigersinn zur nächsten Dreieck-Gruppe." Das waren Nereida, Kerstin, Marion und ich. Ich fand mich bei Oksana und Ute wieder, und Nereida kam zu Gunda und Lisa. "Fasst euch an den Händen und dreht euch wieder. Diesmal andersherum und auch andersherum um mich." Ute und Oksana strahlten ebenfalls, als wir umeinander drehten. Ich sah zum Nachbarkreis, wo Nereida, Lisa und Gunda tanzten. Ein sonderbarer Anblick: Alle drei trugen den schönen schwarzen Turnanzug Nereida-III. Ich rief ihnen laut zu: "Ihr tragt alle Nereida-III." Nereida wurde das da erst bewusst und sie rief fröhlich aus: "Ja, nicht nur ich, sondern wir drei sind Nereida Drei!" "Stimmt!", riefen Lisa und Gunda, und alle drei wiederholten Nereidas Worte mehrfach: "Wir drei sind Nereida Drei!" Die anderen blieben prompt stehen, guckten und staunten. Ich rief zu allen: "Lisa, Gunda und Nereida tragen alle den gleichen Turnanzug namens Nereida-III!" "Ist ja irre, dass Nereida einen Turnanzug trägt, der so heißt wie sie selber", meinte Ute erstaunt, "denn ihr Vorname ist doch sehr selten. Und Drey ist doch ihr Nachname, oder?" "Ja", rief Nereida strahlend, wohl wissend um den Gleichklang ihres Nachnamens Drey und der Zahl III, " den Turnanzug habe ich in diese Welt gebracht. Darum heißt er so wie ich." Ich merkte, dass einige von uns Nereidas Aussage nicht verstanden. Aber da rief die galaktische Turnfee schon: "Lasst uns weiter tanzen!" Und wir drehten wieder umeinander. "Und nun stellt euch in einem einzigen großen Kreis um mich auf, fasst euch bei den Händen. Dreht euch alle um mich", sagte Christina die nächste Übung an. Wir bildeten einen großen Kreis und umkreisten Christina, die in der Mitte in ihrem Aubergine-farbenen Turnanzug stand und lächelte. Da rief Beata laut: "Mädels und Ingo, diesmal hat Christina unsere TuFiTa alleine geleitet. Sie hat es eben im wahrsten Sinne des Wortes ausgedrückt: Alles dreht sich heute um sie. Wir drehen uns um sie! Mädels, unsere Christina hat es ganz toll gemacht. Und ich finde, das ist einen ganz großen Applaus wert!" Wir applaudierten alle kräftig. Christina fühlte sich mächtig geschmeichelt, wurde fast rot und meinte: "Danke Bea, danke euch allen!" "Ich habe dir sehr zu danken, du hast mich toll vertreten, als es mir nicht gut ging. Wir haben dir zu danken", bekannte Beata, "und zum Zeichen unserer Anerkennung und Freude, lauft jetzt alle zu Christina und umarmt sie!" Christinas Augen weiteten sich, als sie elf Frauen und mich von allen Seiten auf sich zukommen sah. "Wahhh, Hilfe!" rief sie, wollte weglaufen. Zu spät. Oksana und Beata erreichten sie zuerst und umarmten sie, die anderen hängten sich um Oksana und Beata und so fort. Ein großes Knäuel, wie um einen Torschützen beim Fußball! Was natürlich auch schön war, dass ich beim Umarmen Gundas schwarzen und Femkes lila-weißen Turnanzug fühlen konnte, was ich auch genoss. Moment mal. Femkes schöner Turnanzug. Ich muss sie danach fragen. Aber da drangen wir auch zu Christina durch und umarmten sie. "Oh danke schön, ihr alle. Bin überwältigt! Ich möchte euch auch noch etwas sagen." Wir versammelten uns alle vor ihr. "Ich fand diese Stunde auch wieder sehr schön, alles ist glatt gelaufen, meine Übungen kamen bei euch gut an, wir hatten eine tolle Stimmung und keine ist verletzt. Danke schön!" Wir applaudierten noch mal. Christina fuhr fort: "Und ich möchte mich auch ganz besonders bei Gunda bedanken, die heute das erste Mal bei uns ist. Sie hat toll mitgemacht! Einen warmen Applaus für Gunda bitteschön!" Alle klatschten erneut Beifall. Gunda fühlte sich auch geschmeichelt, so wie vorher Christina. "Danke schön, ich habe mich bei euch sehr wohl gefühlt. Und ihr habt mich nett aufgenommen, obwohl ich doch nur wenig Ausdauer und Kraft habe. Und nicht schlank bin." "Liebe Gunda, so hat beinahe jede bei mir angefangen. Es ist absolut nicht schlimm. Einen ersten und guten Schritt hast du heute getan. Weg vom Sofa, hin zur TuFiTa", meinte Beata mit einem Lächeln. "Und Ausdauer und Kraft kommt mit der Zeit. Das hat auch positive Auswirkungen auf deine Figur", sagte Oksana. "Du hast es in der Hand. Tue den zweiten Schritt. Ich würde mich freuen, wenn du wiederkommst", lächelte Christina. "Und ich auch. Wir alle würden uns freuen", strahlte Nereida. Ich freute mich auch für Gunda. Aufmunternde Rufe für Gunda wurden laut. "Danke. Ich möchte es gern. Nur muss ich immer lange 50 Kilometer hier her fahren und zurück, da ich in Gruntenhausen wohne und arbeite und dort meine kranke Mutter pflege." "Dafür finden wir auch noch eine Lösung", sagte ich, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie. Doch halt! Wenn es wahr würde, was ich gestern früh gehört habe... "Das wäre schön." Gunda lächelte mich an. "Oh ja, Gundi, ich freue mich auf jeden Fall, wenn du wiederkommst", meinte Nereida. Die anderen pflichteten ihr bei. "Gunda, wenn du mal nach Obertupfingen ziehen solltest, werde ich dir auf jeden Fall beim Umzug helfen", versprach Silvia, " und ihr andern, macht ihr mit?" "Klar!" riefen wir. Gunda freute sich. Ich sagte zu allen: "Und ich möchte mich bei Nereida bedanken, dass sie beim Turnfest Gunda eingeladen hatte, bei uns mitzumachen." Applaus erscholl für Nereida, die sich darüber freute. "Und auch dafür, dass Nereida es geschafft hat, Lisa heute her zu bringen", rief Beata. "Ja! Ja! Nereida, meine Liebste!", jubelte Oksana am lautesten. Die anderen klatschten Beifall. Die galaktische Turnfee strahlte. Auch Lisa lächelte. Somit endete diese Turnstunde zur Zufriedenheit aller. Ich schaute zu Femke. Da fiel es mir wieder ein. Femke! Ihr Leoparden-Turnanzug, den ich mal anziehen wollte! Ich drehte mich zu ihr. Wie beginne ich es bloß? "Ähm, Fem..." "Wollen wir mal am Sonntag ins Freibad? Da soll das Wetter wieder besser sein", unterbrach Ute mit ihrer markanten lauten Stimme meine Frage. Lisa war dafür. "Aber gern!" "Ich komme auch mit", versprach ich. "Das mit dem Wetter sieht aber nicht so doll aus", meinte Silvia. Andere waren ebenso Silvias Meinung. Denn es regnete gerade draußen, und nicht zu knapp. Ute sah schon ihren Vorschlag abgeschmettert, als Beata ihr zur Seite sprang: "Ich glaube, es wird schön. Ich komme auch, und bringe Nereida mit." Die Turnfee lächelte. Oksana schlug sich dann ebenfalls auf die Seite Utes. Ute war dennoch zufrieden. Sie wollte auch noch ihren Mann Egon mitbringen. "Also 10 Uhr am Freibad. Wir klären das weitere am Telefon. Wer von den Neinsagern dennoch kommt, darf gerne zu uns stoßen. Wer keinen Badeanzug hat, nimmt einfach einen Turnanzug mit." Turnanzug. Das was das Stichwort! Nun aber. Femke stand allein, wollte gerade gehen, die anderen waren etwas entfernt. Ich sprach sie an. "Femke?" "Ja, Ingo?" Sie sprach schnell, sah mich prüfend mit ihren braunen Augen an. So bestimmt. War das schlecht? Ich dachte nach. "Ich, äh, wollte wissen, ob..." "Ob was?" unterbrach sie mich. Sie schien es eilig zu haben. Ihr Blick ging mir durch und durch. Ich verlor meinen roten Faden. Was wollte ich eigentlich sagen? Ich stotterte. "...ob du dir vorstellen kannst, ähm, ..." "Machs kurz, ich werde gleich abgeholt, und es regent Pfeifenstiele." Pfeifenstiele? Wieso Pfeifenstiele? Was bedeutet das? "Und?" fragte sie kurz angebunden, fast auf dem Sprung. Ich war so verwirrt, dachte an Pfeifenstiele, dann ans Freibad, dass ich sagte: "...ob du dir vorstellen kannst, zum Freibad zu kommen?" "Nein, Sonntag habe ich Sinn in was anderes. Tschüss Ingo!" Sie drehte sich um und eilte der Damen-Umkleide entgegen. Ich stand da wie ein begossener Pudel. Wieso konnte ich sie nicht einfach nach ihrem Turnanzug fragen? Was hatte sie für eine Macht, dass es mir nicht gelang? Als ich mich umdrehte, sah ich noch die anderen Frauen miteinander plaudern. Sie hatten mein Gespräch mit Femke zum Glück nicht mitbekommen. Ach ja, ich wollte Gunda das ja noch von der Firma berichten. Die Frauen zogen sich dann langsam in die Umkleide zurück. Beata, Lisa, Nereida, Gunda und ich standen noch zusammen. Ich erzählte Gunda vor der Mut machenden Nachricht von meiner Firma und erklärte ihr, wie sie weiter vorgehen solle. Sie strahlte, dankte mir, auch für die E-Mail, umarmte mich feste und verschwand auch zur Umkleide. Beata machte Lisa und Nereida und mich leise auf ein kleines Problem aufmerksam: Lisa trug ja nur ihren Turnanzug und Sportschuhe, so konnte sie durch den Dauerregen nicht nach Hause kommen, denn sie hatte ja keine Straßenkleidung und -schuhe mit. Und auch keinen Haustürschlüssel! Beata hielt Nereida und Lisa zurück, schickte sie in die leere Männer-Umkleide, von wo aus Nereida mittels Verschiebetanz Lisa trocken und unentdeckt von den anderen nach Hause brachte und kurze Zeit später wiederkam. Ich hatte leider nicht soviel Glück wie Lisa, fuhr mit meinem Fahrrad, und kam wie ein begossener Pudel zuhause an. Und das zum zweiten Male heute, nur diesmal mit echtem Regen! Den anderen TuFiTa-Frauen ging es aber auch nicht besser. Bis auf Femke, Beata, Nereida und Oksana. Immerhin sorgte der starke Regen dafür, dass Nereida ihre Abneigung gegen das Autofahren zurückstellte und sich mit Oksana von Beata mitnehmen ließ. Bei diesem Mistwetter bekam ich schon meine Zweifel, ob es am Sonntag im Freibad besser sein würde. Aber man sollte ja Optimist sein.


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