Die galaktische Turnfee Nereida Drei

Kap. 68: Ingo in Lauras Lycra Laden

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Aus Ingos Sicht. Samstag Vormittag. Lisa und ich fanden uns nach einem guten Frühstück am Busbahnhof ein. Sonnenschein hatte endlich die Regentage abgelöst, welch ein Glück. Kurz darauf kamen auch Nereida und Oksana zum vereinbarten Treffpunkt. "Hallo Lisa, hallo Ingo!", begrüßten sie uns herzlich. "Hey Nereida und Oksana!" riefen wir gut gelaunt zurück. "Was habt ihr denn da um euer Handgelenk?" fragte Lisa. Beide hatten sie je ein Band um den Arm. "Das sind unsere neuen Freundschaftsbänder", lächelte Nereida. "Die sehen ja schön aus. Woher habt ihr die?" fragte Lisa. "Wir haben das bei dem kleinen Krämerladen 'Bei Tanja' in der Langen Reihe gekauft." "Das wäre doch auch was für Ingo und mich", meinte Lisa etwas neidisch. "Danach können wir ja mal auch in Großtupfingen schauen. Dort kommt schon unser Bus", sagte ich. Wir hatten Glück. Ein Vierersitz war frei geworden. Während der Fahrt berichtete Lisa verkürzt von Beatas Besuch. Sie erwähnte mit keinem Wort den neuen Turnanzug, wie mit Beata vereinbart. Aber die Heilung von Rosalanja. Nereida fand das total klasse und umarmte Lisa dafür. Da ein Teil der Straße gesperrt war, musste der Bus eine Umleitung fahren. Wir fuhren langsam über eine Brücke, unter uns die Stadtautobahn. Sie führte am Flughafen vorbei in die Stadt. Richtung Innenstadt staute es sich. Nereida schaute aus dem Fenster. "Hey, so viele Autos auf der breiten Straße! Und niemand tanzt da!" "Dort wird man sonst überfahren." "Aber die standen doch alle! Da könnten die eingesperrten Leute doch mal herauskommen und so lange tanzen!" Auf so einen Gedanken konnte auch nur Nereida kommen. Wir überquerten Großtupfingens Stadtgrenze. Etwas später passierten wir ein Einkaufszentrum mit einer großen vorgelagerten Parkfläche. "Was machen denn die vielen Autos da?" "Die parken da", antwortete Lisa. Nereida schaute ungläubig. "Die werden da abgestellt, solange die Besitzer in dem Einkaufszentrum sind." "Oh, was für eine Platzverschwendung! Bestimmt einige Hundert Leute könnten dort tanzen, wenn die Autos nicht da wären." "Irgendwo muss man ja das Auto abstellen." Nereida gefiel das nicht. "Nach allem, was ich bislang weiß, ist ein Auto ein Platz verbrauchendes Gerät, was meistens still steht, entweder auf einem Parkplatz oder auf der breiten Straße eben. Und es ist furchtbar einengend, ich kriege Ängste darin! Ich weiß nicht, warum ihr es ein Fahrzeug nennt. Es steht doch meistens. Sollte man eher Standzeug nennen. Und wenn es nur steht, braucht man es ja gar nicht. Es gäbe dann viel mehr Platz, um zu tanzen. Und Tanzen dient bei uns ja auch zur Fortbewegung." Nereidas Logik machte uns sprachlos und brachte uns über diese Absurdität in unserem Leben zum Nachdenken. Innerlich musste ich ihr zustimmen. "Liebste Freundin, wir sind ja gleich in der Innenstadt. Da gibt es weniger Autos und mehr Flächen für uns", versuchte Oksana Nereida abzulenken. "Und wir zeigen euch, wo wir beide tanzen werden." Wir stiegen am Stadttheater aus. Die Sonne strahlte, es versprach ein schöner Tag zu werden. "Schaut mal, da werden Nereida und ich ab Montag tanzen!" rief Oksana gut gelaunt und wies zum Theatergebäude. "Ja, das wird schön", strahlte Nereida. "Guckt mal, da steht ein großes Schild: 'Neue Spielzeit: Wir sind wieder da! Das Großtupfingener Ballett tanzt für Euch!'", las ich vor. "Und ihr beide seid mittendrin", lächelte Lisa. "Ja!", rief Nereida aus und tanzte vor uns vor Freude auf dem Bürgersteig. Oksana tanzte mit Nereida zusammen. "Euren Tanz kenne ich doch", rätselte ich. Oksana und Nereida grinsten. "Den hab ich schon mal gesehen", sagte Lisa. "Jetzt hab ich's: Es ist der R-Wi-Begrüßungstanz!" "Richtig, Lisa!", strahlte Nereida und umarmte sie. "Nereida hat ihn mir beigebracht", lächelte Oksana. "Wie schön!" Wir spazierten alle zum Turnvater-Jahn-Platz und sprachen dabei übers Turnen und Tanzen. "Und habt ihr denn schon Ballettkleidung gekauft?", fragte ich. "Ich habe ja eigentlich noch genügend", meinte Oksana, "nur Nereida braucht noch ein paar Sachen." "Darum sind wir ja auch hergekommen", lächelte Nereida. Oksana und Nereida berichteten von ihrem Kauf in Lauras Lycra Laden. "Klasse! Darauf freue ich mich schon", meinte Lisa. Wir hatten die Schlossstraße erreicht, und kurz darauf auch Lauras Lycra Laden. Zwei Leute, ein Vater mit seiner Tochter, kamen gut gelaunt aus dem Laden. Die Kleine, etwa sechs Jahre, lachte uns an und tänzelte vor uns. Was Nereida so beglückte, dass sie gleich mittanzte. Auch der Vater tänzelte dazu, ebenso wir alle. Das Mädchen blieb dann stehen und fragte neugierig Nereida: "Wer bist du?" Nereida drehte sich einmal elegant um sich selbst und antwortete: "Ich bin Nereida, die galaktische Fee." "Bist du wirklich eine Fee, Tante Nereida?" "Aber ja, ich bin eine echte Fee! Eine Tanzfee." "Zeig es mir!" Nereida drehte sich nochmal grazil um sich selbst, schwang ihre Arme geheimnisvoll magisch anmutend und lächelte bezaubernd. Das Mädchen war beeindruckt. "Toll! Was machst du?" "Ich komme auf die Erde und bringe dir die Freude am Tanzen. Und wie heißt du denn?" "Nina. Und das ist mein Papa." Der Angesprochene lächelte. "Hallo Nereida, ich heiße Frederik. Nina möchte Ballett tanzen, und wir haben ihr ein Tanztrikot gekauft." "Wie schön, Frederik! Freust du dich schon, Nina?" "Ja Tante Nereida, ganz doll. Ich tanze mit meiner Freundin Jasmin zusammen Ballett! Nächste Woche!" "Und wo tanzt du?" Nina war ratlos. Ihr Vater flüsterte ihr zu: "In der Ballettschule beim Stadttheater." "Beim Stadttheater!" rief sie laut. "Da tanze ich auch, mit meiner Freundin Oksana!". Nereida wies auf Oksana. Die lächelte und winkte. Die Kleine kicherte verzückt. Ihr Vater deutete an, weiter zu gehen. "Und ich möchte mir auch Ballettkleidung kaufen, Nina. Ich bin Balletttänzerin beim Stadttheater. Vielleicht sehen wir uns dort beim Tanzen ja mal wieder. Viel Spaß!" "Jaaaa", rief Nina beim Abschied freudig. Wir winkten ihr hinterher. Nereida war gerührt. "Ich habe an die Zeit gedacht, als ich so klein wie Nina war. Da habe ich auch tanzen gelernt." "Aber du konntest doch vorher schon tanzen?" fragte Lisa. "Ja, Lisa, tanzen konnte ich schon vorher, das können alle kleinen R-Wi-i vom Tag der Geburt an. Ich meine damit aber richtig und ernsthaft tanzen lernen. Und da kam auch eine Freundin von mir mit, Perenda. Wir zwei hatten viel Spaß miteinander. Und heutzutage arbeiten wir zwei sogar zusammen." Nereida tänzelte, seufzte "Ach Perenda" und versank in Gedanken, mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie dachte an ihre langjährige Freundin Perenda. Nereida: Perenda Iviria, hier Scherata Nereida. R-Wi-alo! Perenda: R-Wi-alo Nereida! Schön, dass du an mich denkst. Was machst du gerade? Nereida: Ich hatte hier gerade ein kleines sechsjähriges Erdenmädchen getroffen, es will mit seiner Freundin Ballett tanzen lernen. Da dachte ich mit Freude an uns zwei, als wir so klein waren. Perenda: Oh ja Nereida, das waren schöne Zeiten! So lange sind wir schon Freundinnen! Nereida: Genau! Und ich habe da gerade an dich gedacht. Perenda: Danke Nereida, das ist sehr lieb von dir. Nereida: Gern geschehen. Ich bin hier übrigens mit drei Freunden von der Erde unterwegs. Perenda: Viel Spaß wünsche ich euch dann noch. Nereida: Danke, dir auch! Perenda: Hauduh Nereida! Nereida: Hauduh Perenda! Nereida strahlte die ganze Zeit, ihre Augen waren zu. Irgendwann schaute auf. "Hey Nereida, du warst in Gedanken versunken", meinte ich. "Oh pardon, ja, Ingo, das stimmt. Ich dachte an meine langjährige Freundin Perenda. Ich erzählte ihr von Nina und wir erinnerten uns an unsere Kindheit, wie wir getanzt hatten." "Das ist doch klasse, Nereida. Wollen wir nun Laura besuchen?" fragte Oksana. "Natürlich, liebe Oksana." Wir vier betraten den Laden. Nereida und Oksana gingen voran. Als Laura die beiden sah, erkannte sie sie und kam uns entgegen: "Hallo Nereida, hallo Oksana, schön, dass ihr wiederkommt." Laura trug übrigens ein schwarzes ärmelloses Lycratrikot über einer weißen Strumpfhose und ein rotes Top mit langen Ärmeln. Sie hatte Ballettschläppchen an. "Ja, das haben wir ja versprochen. Das sind übrigens unsere Freunde Lisa und Ingo." Wir begrüßten Laura. "Laura, du bist ja in Ballettkleidung hier?" bemerkte Nereida. "Oh, ja, das habe ich euch zu verdanken." "Wieso?" Oksana war neugierig. "Ihr beide und Irina hattet mir doch vor einigen Tagen diese Ballettstunde gegeben. Und ich hatte mein Trikot und die Strumpfhose an dem Tag noch anbehalten, als ihr wieder weg wart." "Und was ist da passiert?" fragte Oksana mit Interesse. Laura berichtete uns von ihrem Erfolg, den sie bei den nachfolgenden Kunden hatte, was auf ihre Kleidung und ihr Vortanzen zurückzuführen war. "Oh, das ist ja super, du hast die Tanzfreude an andere Leute weiter gegeben." Nereidas Augen leuchteten. Laura strahlte. "Genau, das freut mich auch. Wie kann ich euch heute helfen?" Oksana antwortete: "Wir brauchen ein paar weiße und hautfarbene Ballettstrumpfhosen und Schläppchen für Nereida. Und Strumpfhosen auch für mich." "Und wir stöbern mal", meinte Lisa. "Sehr gern. Sucht euch was schönes aus. Ich hole die Strumpfhosen und die Schläppchen. Nereida, stell dich mal kurz so hier hin, dass ich deine Beine sehe." Die galaktische Tanzfee stellte sich in Positur, hob ihr Kleid an; Laura guckte sie konzentriert an, zog eine Schublade auf, wühlte darin und holte ein paar Strumpfhosen heraus. "Die müsste dir passen, probier mal eine hiervon an." Nereida ging in die Kabine, assistiert von Oksana und Laura. Sie zog die Strumpfhose an, es passte genau. "Ja, Laura, die passt!" "Und die Schläppchen noch." Nereida zog sie an, nur mit den Bändern kam sie noch nicht klar. Ihre Freundin Oksana half ihr bereitwillig dabei. "Tanz doch mal damit", forderte Laura sie auf. Das war für Nereida ein Freibrief, erst mal zwei Minuten lang zu tanzen. Oksana grinste. Laura guckte verblüfft, grinste dann aber auch. "Die sind gut, Laura, die nehme ich. Drei Paar Schläppchen und vier Strumpfhosen bitte." Laura lächelte. Oksana und Lisa fragten auch nach Strumpfhosen. Oksana hatte dieselbe Größe wie Nereida, nur Lisa brauchte größere Strumpfhosen. Und Lisa wollte auch Strumpfhosen mit Glanz, während Nereida und Oksana die schlichten Strumpfhosen fürs Ballett wählten. Aber das war kein Problem, Laura hatte auch die vorrätig. Die Ladeninhaberin kümmerte sich um Lisa, Oksana und Nereida. Ich durchstöberte währenddessen den Inhalt der Kleiderständer. Röcke und Kleider gab es zuhauf. Tops in allen Formen und Farben, Hosen in verschiedenen Längen und Farben, in Regalen lagen Schuhe als Ballettschuhe mit ganzer oder geteilter Sohle und andere Tanzschuhe. Schminkutensilien wie Streuglitzer, Haarspray, Schminke oder Puder gab es ebenso wie Sachen zum Selbernähen wie Pailletten und Strasssteine. Weitere Accessoires wie Beinwärmer oder Knöchelwärmer warteten auch auf Käufer. Ich schaute bei den Bodys. Leider gab es sie nur bis Größe 40-42. Daneben stand ein kleines Regal mit Prospekten und Faltblättern. Ich schaute genauer dorthin, um zu ergründen, worum es da geht. "Hallo Ingo, kann ich helfen?" erklang Lauras Stimme hinter mir. Ich drehte mich um. Sie stand da in ihrem glänzenden Trikot mit Strumpfhose und lächelte mich an. So nah stand sie noch nie vor mir. Soviel Glanz! Und ihre Rundungen erst! Sie lenkte mich spürbar ab, ich musste erstmal meine Gedanken sammeln. "Ähm... ich interessiere mich für die Bodys, nur sind sie zu klein." Die anderen Frauen wurden auf mich aufmerksam und drehten sich zu mir und Laura um. "Die Bodys an diesem Kleiderständer sind wirklich zu klein für dich. Aber ich glaube, ich kann dir trotzdem helfen." Ich wunderte mich, dass sich Laura gar nicht über meinen Wunsch wunderte. Schließlich fragte ein Mann sie nach einem Ballettbody. Lisa, Oksana und Nereida, alle wieder in Straßenkleidung, kamen neugierig näher. Laura ging in eine Ecke und meinte: "Das wird dir bestimmt passen." Ich folgte ihr, die anderen ebenso. Da stand ein Kleiderständer, den ich vorhin noch nicht gesehen hatte. Mit Langarm-Turnanzügen! "Es gibt eine Laientanzgruppe in Großtupfingen, die solche Bodys kaufen. Das sind alles, sagen wir mal, gewichtigere Frauen. Die Bodys sind übrigens von dem französischen Hersteller Vicard, der solche Größen fertigt." Ich durchstöberte den Kleiderständer. Die Anzüge fürs Ballett waren eher schlicht gehalten, hatten fast alle nur eine schlichte unaufdringliche Farbe statt bunt wie die Anzüge fürs Kunstturnen. Die Farben der Ballettanzüge waren meist Weiß oder Schwarz. Ein paar wenige gab es auch in Lila oder Rosa. Aber alle waren wie gesagt nur einfarbig. Und vom Hersteller Vicard. Einige Anzüge hatten eine Raffung am Brustbereich, was ich nicht so mag. Ich zog einen schwarzen Lycraanzug heraus. Er hatte lange Ärmel und einen runden Halsausschnitt. Beim Blick auf das Etikett lächelte ich noch mehr. Er war in meiner Größe, und auch der Preis war angenehm. Es handelte sich um den Anzug namens "Empire". "Zieh den doch mal an, Schatz", zwinkerte Lisa mir zu. Nereida und Oksana ermutigten mich ebenfalls. Ich gab nach. Ich ging mit dem Anzug in die Umkleidekabine. Das war mal was ganz Neues. Bisher hatte ich mir meine wenigen Turnanzüge immer diskret im Internet bestellt, aber nun waren vier Frauen dabei und warteten auf mich. Ich entledigte mich meiner Kleidung bis auf eine Unterhose. Als ich den Body anzog und der Stoff an meinem Körper entlang strich, kribbelte es wieder. Ich mochte das gern. Und den Glanz erst. Der Spiegel gab ihn eindrucksvoll wieder. So trat ich heraus und lächelte. Nereida kam auf mich zu und meinte begeistert: "Klasse, Ingo, der Anzug passt dir." "Dreh dich mal." Anerkennende Worte kamen von den vieren. Der Turnanzug passte wirklich bestens. Ich fühlte mich gut. Bis Nereida dann anmerkte: "Und nun brauchst du dazu noch eine Strumpfhose und Schläppchen." Strumpfhosen? Oh je. "Dann bist du ein vollständiger Tänzer", zwinkerte Oksana mir zu. "Geht das denn?" fragte ich etwas bang. "Aber ja", meinte Laura. Sie zog los und kam mit den gewünschten Sachen zurück. "Kann ich das denn tragen, als Mann?" Ich fühlte mich nicht ganz wohl dabei. "Ja, klar", meinte Laura, "zieh sie doch mal an, Ingo. Den Body musst du aber vorher ausziehen." Puh. Ich ging zurück in die Umkleidekabine und zog den Anzug schnell wieder aus. Nun die Strumpfhose. Sie war schwarz und matt. Das war ein vertracktes Ding. Ich hatte meine Not damit. "Kann mir mal eine von euch helfen? Ich bekomme sie nicht richtig angezogen." Oksana stand am nächsten zu mir. Sie, die Balletttänzerin, zeigte mir profihaft, wie ich es richtig mache. "Erst einmal müssen deine Finger- und Fußnägel kurz und stumpf sein, das scheint der Fall zu sein. Ansonsten könntest du dir Löcher in die Strumpfhose reißen. Setz dich auf einen Hocker oder Stuhl. Roll die Strumpfhose links auf." Oksana führte es mir vor, ich machte es ihr dann nach. "Streif sie über deinen linken Fuß und roll sie ab, erstmal nur über den Fuß. Richte sie so aus, so dass sie mit der vorgefertigten Ferse über deine Ferse gleitet." Ich richtete mich nach Oksanas Anweisungen. Natürlich muss der vorgefertigte Fuß der Strumpfhose mit meinem Fuß passgenau übereinstimmen. Oksana schaute prüfend. "So ist es gut. Nun ziehe sie hoch bis zum Knie. Richte sie so aus, dass sie am Fuß und Unterschenkel gut sitzt. Und recke sie zum Knie. Keine Bange, die reißt nicht. Wichtig ist, dass sie unten gut sitzt." Das also war mein Fehler von vorhin, dass ich sie auf halber Strecke nicht gerichtet und ausgereckt habe! Nun richtete ich die Strumpfhose und sie saß unten gut. "Nun mach dasselbe für den anderen Fuß." Ich rollte die rechte Seite auf, streifte sie über den anderen Fuß, richtete sie, rollte sie weiter zum Knie ab und richtete und streckte sie. "Sitzt sie unten gut? Ja? Dann steh auf, rolle sie weiter ab und ziehe sie nach oben zur Hüfte, beide Seiten." Ich stand auf, rollte ab und zog weiter. Es kribbelte wieder. Es fühlte sich gut an! "Und richte sie noch ein bisschen." Ich hatte es geschafft. Ich stand in einer schwarzen Ballett-Strumpfhose! "Und nun zieh deinen Ballettanzug wieder an." Darin hatte ich ja schon Übung. Der schwarze Vicard-Body glitt schmeichelnd über meinen Oberkörper und die Arme. Schönes Gefühl! Laura holte inzwischen das Paar Ballettschuhe hervor. "Probier mal an." Es waren schwarze Lederschuhe mit durchgehender Sohle. Ich betrachtete sie genauer. Einen angenehmen Geruch nahm ich wahr. Ich zog sie an. Eigenwilliges Gefühl, wenn das Gummi den Schuh an deinem Fuß festklammert. "Toll, Ingo! Und nun steh mal auf und schau in den Spiegel", lächelte Laura. "Oh Ingo, du siehst toll aus, wie ein echter Balletttänzer!" strahlte Nereida. "Ja, so bist du perfekt gekleidet und könntest sofort loslegen mit Tanzen", lobte mich Oksana. "Klasse, Schatz!" Lisa umarmte mich. Ich sah in den Spiegel. Ein ungewohnter Anblick. Der Mann im Spiegel könnte wirklich ein Balletttänzer sein. Nur dass ich das war! Laura kam zu mir: "Und wie fühlst du dich, Ingo?" "Es ist ungewohnt. Die Strumpfhose fühlt sich etwas anders an als eine Leggings." "Das liegt an der Verarbeitung und am Material", erklärte sie. "Und sehen männliche Tänzer wirklich so aus, Oksana?" "Ja. Sie tragen auch Strumpfhosen und einen Body. Der muss allerdings nicht immer langärmlig sein." "Und tanz doch mal, Ingo", forderte Nereida mich auf. "Oje, ich kann gar kein Ballett tanzen. Ich weiß nicht, wie die Schritte gehen." Oksana kam dazwischen. "Nereida, lass Ingo mal heute lieber sein." "Wieso?" Nereida war verblüfft. "Ingo ist erstens nicht aufgewärmt und zweitens ungeübt. Dazu brauchen wir mehr Zeit. Bei mir und bei dir ist das etwas anderes. Wir sind zwar geübt, naja, aber aufwärmen müssen auch wir uns", erklärte Oksana. "Oksana, wir können ja mal bei dir zu Hause üben", schlug Lisa vor, "da haben wir mehr Zeit als hier." "Schöner Vorschlag, das können wir gerne machen, ich habe ja auch eine Ballettstange und Spiegel daheim." "Oh ja, Oksana, das machen wir." "Oksana und ich helfen dir und Ingo gerne dabei", meinte Nereida begeistert. "Darauf freue ich mich schon." "Aber Lisa, dann brauchst du ja auch Ballettschuhe", meinte ich. "Stimmt." "Ich hätte da noch ein paar schicke Ballettschuhe für dich, Lisa. In Schwarz, Weiß oder Rosa, was du möchtest", lächelte Laura. "Ja, Laura, hol doch bitte mal welche in Rosa." "Sehr gern." Laura wühlte kurz in ihrem Bestand, und holte für Lisa die gewünschten Schuhe. Lisa probierte sie an, machte ein paar Schritte und war begeistert: "Sie passen, Laura! Wie machst du das bloß?" "Ich habe im Lauf der Zeit den gewissen Blick entwickelt, was meinen Kunden passen könnte." "Super, auf Anhieb die richtigen Schuhe!" Laura lächelte. Oksana dachte an den Aufbruch. "Dann lasst uns zahlen, denn wir möchten noch weiter bummeln. Ingo, du solltest dich wieder umziehen." Ich war etwas enttäuscht. "Och schade, Oksana. Ich hatte mich gerade an diese schöne Kleidung gewöhnt." "Ach Oksana, lass Ingo die Sachen doch einfach anbehalten", bat Nereida. "Lieber nicht, damit die Schuhe und die anderen Sachen sauber bleiben. Und die Leute würden alle Ingo angucken." Nereida und ich sahen ein, dass Oksana recht hatte. So zog ich mich wieder um. Wir alle bezahlten unsere Sachen und verabschiedeten uns von Laura, die uns für die schöne Zeit dankte. Frohgemut traten wir wieder nach draußen ins Freie.


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