Die galaktische Turnfee Nereida Drei

Kap. 71: Im Freibad Obertupfingen

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Aus Ingos Sicht. Sonntag morgen. Der Tag begann sonnig. Ich übernachtete alleine zuhause, da Lisa sich noch um ihren Haushalt kümmern wollte und ich um meinen. Mit gemischten Gefühlen packte ich die Schwimmtasche. Schließlich sollte ich heute zum ersten Mal im Badeanzug im Freibad baden gehen! Unter anderem kam in die Tasche mein neuer schwarz-grüner Badeanzug, den ich am Vortag im Beisein von Oksana, Nereida und Lisa gekauft hatte. Nach dem Frühstück radelte ich los. Das Freibad unseres Städchens lag am anderen Rand, etwas abseits, wo der Lärm keine Anwohner stören konnte. Es bestand aus dem zwei Meter tiefen 25-Meter-Becken mit vier Bahnen, dem genauso großen Nichtschwimmerbecken bis 1,20 m Tiefe mit Rutschen sowie einem abseits gelegenen Tiefbecken mit Ein-Meter-Brett und Drei- und Fünf-Meter-Turm. Umgeben waren die Becken von großzügigen Rasenflächen. Hecken trennten die Rasenflächen von den Becken. Das Eingangsgebäude enthielt außer dem Kassenbereich weiterhin Räume fürs Personal sowie Duschen, Toiletten, Umkleidekammern und Spinde. Auch ein kleiner Imbiss war vorhanden. Als ich pünktlich um 10 Uhr ankam, sah ich dort schon Lisa warten. Auch Ute und Egon waren gekommen. Wir plauderten miteinander. Zehn Minuten später kamen dann Bea, Nereida und Oksana. Herzliche Begrüßung untereinander. Als Egon Nereida sah, geriet er ins Grübeln. "Ich kenne dich. Ich habe dich irgendwo schon mal gesehen. Ich weiß nur nicht, wo." "Keine Ahnung. Ich habe dich noch nie gesehen", meinte sie ratlos. Bea bat mich, die schweren Sachen von ihrem Wagen tragen zu helfen. Ich kam mit ihr mit. Sie wirkte etwas genervt. Ich fragte sie, was denn los sei. Sie sagte, da kamen mehrere Punkte zusammen, worüber sie sich vergangene Woche geärgert hatte. Die Nachbarn, die über ihr wohnen, haben am Donnerstag in der Küche das Wasser wohl überlaufen lassen, die Decke in Beas Küche muss saniert werden. Dann ist sie mit ihrem Auto am Freitag gegen einen Poller gefahren. Die Beule war deutlich zu sehen. Das kostet sie viel Geld, den Wagen und den Poller reparieren zu lassen. Und Beas irdische Mutter Brigitta kam in die Klinik, da sie gestürzt war und sich den Arm gebrochen hatte. Somit musste sie auch noch ihren Vater versorgen und die Mutter besuchen. Ihre Schwester Nereida war dabei keine Hilfe. Überhaupt Nereida. Heute morgen hatte es ihrer ganzen Überredungskunst bedurft, Nereida in Beas Wagen hinein zu bekommen. Ihre Schwester hasste Autofahren. Manchmal fand Bea Nereida echt schwer zu ertragen. Sie wirkte auf Bea wie ein Kind im Körper einer Erwachsenen. Schon als sie Nereida das allererste Mal in der TuFiTa sah, ahnte oder genauer, wusste sie, dass diese Nereida eine schwierige Person war bzw. sein würde. Ihre Abneigung war jedenfalls deutlich erkennbar. Sie hatte nicht nur einige Problemschüler, mit denen sie sich an der Schule herumärgern musste, nun auch noch dazu eine unreife Schwester! Bea seufzte. Ich legte ihr meine Hand auf die Schulter und tröstete sie, erinnerte sie aber auch daran, dass Nereida ja nicht von der Erde stammte. Sie lächelte wieder und bedankte sich. Mir schien es aber, dass es Bea weiter beschäftigte. Als uns Egon länger am Wagen stehen sah, kam er hinterher und half uns beim Tragen. Es standen mehrere Leute vor der Kasse, es dauerte etwas. Nereida fand das Stehen langweilig, tänzelte herum und freute sich, fast so wie ein kleines Kind. Bea, sowieso schon genervt, wurde das zu bunt und ermahnte sie ausdrücklich, doch endlich mal still zu stehen! Hier mache man das so. Sie schaute echt vergrätzt. Man erkannte deutlich, wie unsicher Nereida da stand. Missmutig befolgte sie die Anweisung ihrer älteren Schwester. Egon stand vorne. An der Kasse bezahlte er sogar den Eintritt für uns alle. Fand ich echt nett von ihm! Wir ließen uns an einem Platz an der Hecke nieder, der teils im Schatten lag, unweit zum Nichtschwimmerbecken. Schätzungsweise 50 Badegäste befanden sich bereits auf den Grünflächen und in den Becken. So langsam entkleideten wir uns alle und zogen uns um. Oksana gab Nereida den neuen Badeanzug in die Hand. Meine Jeans und T-Shirt hatte ich schon ausgezogen, saß nur noch in Unterhose da, wollte sie gerade aus- und meinen neuen Badeanzug anziehen, wurde aber von Nereida abgelenkt. Die Frauen wühlten in ihren Taschen, bemühten sich, ihre Oberkörper vor den Blicken anderer zu verbergen. Nicht so Nereida. Sie stand aufrecht da, ihr Badeanzug baumelte an der linken Hand; sie trödelte, tänzelte etwas und schaute lächelnd verträumt in die Ferne, war sichtlich gut gelaunt. Man konnte ihren kompletten Körper hüllenlos sehen! Eine echt makellose Figur hatte sie, ideal für ein Fotomodell, was sie ja für die Turnanzug-Firma auch mal war. Nichts hing runter, herrlich anzusehende Rundungen, alles wohlgeformt, keine Hautunreinheiten, ein hübsches Gesicht mit ihren dunkelblonden Haaren, wahrhaftig ein Abbild von Schönheit! Die Venus von Obertupfingen. Ich war sehr beeindruckt. Aber irgendetwas an ihr war anders als an anderen Frauen. Aber was? Schon drehte sich Nereida in die andere Richtung, dass ich nur noch ihrem Rücken sah. Egal, nach ihr musste man sich einfach umschauen! Eine echt süße Maus. Galaktisch genial! Einmalig hübsch! "Hey Nereida, alle Achtung!" rief Egon, pfiff anerkennend und sprach in etwa das aus, was ich bloß gedacht hatte. Ute boxte ihm dafür verärgert in die Seite. Aber was nun kam, erschütterte uns alle. Denn Sekundenbruchteile später wurde Nereida von Bea energisch auf die Decke herunter gezerrt, von der Umgebung abgeschirmt, so lautstark belehrt und beschimpft, dass sich etliche andere zu uns umdrehten! Oksana war zwar nicht so rabiat wie Bea, fasste Nereida zwar nicht an, machte ihr aber ebenfalls Vorwürfe. Ganz schön brutal von den beiden, wie ich fand. Die arme Nereida! Sie bekam nun Beas geballten Frust ab! Nereida hatte kein Schamgefühl. Unbedarft, unbekümmert, wie sie von ihrer Natur aus war. Ihr war nicht bewusst, wie man sich auf der Erde benimmt. Oder sie hatte Oksanas Hinweise in Lauras Lycra Laden einfach vergessen. Und nun saß sie da, wortwörtlich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, eingeschüchtert, traurig, sprachlos. Aus ihrer Sicht hatte sie nichts falsch gemacht. Sie stand doch bloß da! Sie verstand die Welt nicht mehr. Bea sah noch finsterer aus als vorher. Nereidas schockiert dreinblickendes Gesicht erregte mein Mitleid. Ich ergriff Partei für sie: "Nereida, du konntest das nicht wissen, es tut mir leid, dass man so heftig mit dir umgeht. Lass mich dich trösten." Sie schluchzte. Ich schaute Bea und Oksana streng an: "Ihr zwei, das fand ich eben ein bisschen zu grob von euch, findet ihr nicht auch? Der Ton macht die Musik!" Sie waren zu verblüfft, etwas zu sagen, hatten nicht mit meiner deutlichen Parteinahme für Nereida gerechnet. "Schaut doch mal, wie verstört sie ist. So kann man mit Nereida doch nicht umspringen!" Lisa umarmte mich still und dankte mir leise. Sie wie auch Ute waren überrascht über die heftige Reaktion von Bea und Oksana. Nereida kamen die Tränen. Sie weinte bitterlich! Sie fühlte sich, als wenn ihr die Welt um die Ohren fliegt! "Aber sie hat..." stammelten Bea und Oksana, in einer Mischung aus Verblüffung und Verärgerung. Ich unterbrach sie harsch. "Ich finde, ihr solltet Nereida um Entschuldigung bitten und die Harmonie wiederherstellen! Seht doch bloß, wie sie weint!" Das war mein direkter unmissverständlicher Appell an das Harmoniebestreben der R-Wi-i. Die R-Wi-a in Bea schrie gequält auf: Beata, wie konntest du nur! Nun waren Bea und Oksana wirklich betroffen, wie gelähmt. Man merkte, wie sie ihr unheilvolles Tun überdachten. Ich streckte meine Arme aus und sprach: "Liebe Nereida, komm doch zu mir, ich tröste dich." Weg von Bea und Oksana krabbelte sie zu mir her und umarmte mich schluchzend. Ich streichelte ihr liebevoll und sanft ihren Kopf und Rücken. Lisa streichelte Nereida ebenfalls. Auch Ute kam und legte Nereida ihre Hand auf. Ich fühlte ihren gut gebauten Oberkörper, der sich nun direkt an den meinigen schmiegte. Es fühlte sich gut an. Aber darum ging es jetzt nicht. Meine Aufgabe war, Nereida zu helfen, sie vor ihrer Schwester und ihrer Geliebten zu beschützen. Sie sah in mir einen Verbündeten. Ich dachte: Du bist bei mir sicher, ich halte zu dir. Nereida hatte meinen Gedanken gelesen. Sie dachte: Danke Ingo, dass du zu mir hältst. Erst diese grässliche Autofahrt, dann das erzwungene Stillstehen am Eingang und jetzt das hier! Meine eigene Schwester und meine Geliebte gehen so abgrundtief harmonielos mit mir um! Tränen kullerten ihre Wangen herunter. Ich dachte: Man muss doch liebevoll mit dir umgehen, Nereida, das versuche ich zu tun. Du kannst doch nicht alles wissen, was man auf der Erde macht. Ich beschütze dich. Sie dachte: Danke lieber Ingo. Du hast nun zu mir gehalten, und Lisa und Ute auch. Hätte hier keiner von euch zu mir gehalten, wäre ich aufgestanden und hätte mich zurück nach R-Wi getanzt. Da hätte mich niemand aufhalten können! Niemand, nicht mal Bea! Und ich wäre dann in R-Wi geblieben! Ich war jedenfalls kurz davor. Ich dachte: Lass dich trösten, liebe Nereida. Bitte bleibe hier, bei mir. Sie dachte: Ja, lieber Ingo, ich bleibe bei dir. Du verstehst mich. Sie schluchzte noch etwas. Beata und Oksana schwiegen bedrückt. Ich schaute sie zornig an. Denen hatte ich es aber gegeben! Bestimmt zwei Minuten saßen Nereida und ich so da, schweigend. Ich streichelte sie leicht. Ich dachte: Wollen wir jetzt unsere neuen Badeanzüge anziehen und mal in das Wasser gehen? Ich komme mit dir und helfe dir. Sie dachte: Ja, aber langsam. Wir lösten uns voneinander. Sie lächelte verhalten. "Ich wische deine Tränen weg, liebe Nereida", meinte Lisa und bearbeitete mit einem Taschentuch sachte Nereidas verheultes Gesicht. Auch Ute bot ihre Hilfe an. Beata kam demütig mit betroffenem Gesichtsausdruck an: "Es tut mir leid, Nereida, dass ich dich so ruppig behandelt habe. Ich hätte mich besser im Zaum halten sollen. Es war die Ungeduld und der Missmut der Tabea. Es hatte sich alles aufgeschaukelt. Bitte verzeih mir." So ähnlich zerknirscht bat auch Oksana um Verzeihung. Nereida sagte mit einem nachdenklichen Gesicht: "Ihr wart sehr gemein zu mir. Besonders du, Bea! Und ich dachte, ich würde dich besser als alle anderen kennen." Sie schaute ernst, wartete ab, da Beas und Oksanas Tat immer noch in ihr nachhallte. Es wurde ungemütlich für die beiden. Das sah man ihnen auch an. Beata war auch traurig. "Das tut mir sehr leid, liebe Schwester. Ich schäme mich für mein Verhalten. Bitte verzeih mir." Schließlich sagte Nereida zu ihnen: "Na gut. Bitte nicht mehr mit mir schimpfen. Bedenkt, dass ich Nereida Drei von R-Wi bin." Sie reichten einander die Hand, und ich nahm an, dass wieder Frieden zwischen ihnen herrschte. "Ich ziehe jetzt meinen neuen Badeanzug an", sagte sie. Lisa, Beata, Oksana, Ute und ich schirmten Nereida von der Umwelt ab. Sie stieg in ihren neuen Badeanzug hinein. Sie machte immer noch eine gute Figur. Sie war echt ein Hingucker in ihrem farbenfrohen Badeanzug. Oksana band Nereidas Haare in einem Haarknoten zusammen. Nereida schien wieder zögerlich Vertrauen zu Oksana zu fassen. Von Bea schien sie sich noch fern zu halten. Nun hieß es für mich: Ingo, zieh den Badeanzug an! Ich entledigte mich meiner Unterhose. Langsam stieg ich in den Badeanzug hinein, streifte die Träger über die Schulter. Zum Glück hatte ich den Badeanzug ja schon mal anprobiert und hatte etwas Übung. Lisa half mir und zupfte die Träger und den Badeanzug zurecht. Geschafft! Das erste Mal in der Öffentlichkeit im Badeanzug! Richtig schön eingepackt fühlte ich mich da. Die anderen Frauen hatten auch alle einen an, nur Ute nicht, die einen Tankini trug. Wir standen auf, gingen Richtung Becken. Egon blieb zurück, passte auf die Sachen auf. "Nereida, bevor wir ins Becken gehen, müssen wir erst duschen", meinte ich. "Das ist schön, das mag ich." "Es ist aber kaltes Wasser, erschrecke nicht." "Oh, danke, Ingo, für die Warnung." Das Wasser der Dusche war wirklich kalt, angesichts der hochsommerlichen Temperaturen aber dennoch angenehm und eine willkommene Abkühlung. Nereida juchte: "Brr, das ist ja wirklich kalt!", lief schnell aus dem Wasserstrahl hinaus und schaute gespannt zurück. Wir anderen hielten es länger drunter aus. Nereida staunte: "Wie könnt ihr das nur aushalten!" "Wir sind es gewohnt", meinte Lisa. "Komm, Nereida, nun rein in das große Wasserbecken!" rief Ute. "Ja, mit Ingo und Lisa", meinte Nereida und sie ergriff unsere ausgestreckten Hände. Sie traute Bea und Oksana wohl doch noch nicht so ganz. Die nahmen das denn auch betreten zur Kenntnis. So stolzierten wir in das Nichtschwimmerbecken hinein. Das Wasser umfing unsere Waden. Wir gingen langsam zum tieferen Bereich. "Ein völlig neues Gefühl. Und auch schön warm", bekannte sie strahlend. So dachte ich auch, nur dass Nereida das Gefühl von großen Mengen Wasser am Körper meinte; und ich meinte das Gefühl, einen Badeanzug zu tragen. Obwohl es für mich eine neue Erfahrung war, fühlte ich fast schon eine Vertrautheit mit den Lycra-Einteilern. In der Vergangenheit waren es eben welche mit Ärmeln, und in der Turnhalle. Hier war es das Wasser, was mit dem Badeanzug zusammen einen neuen Reiz auslöste. Wohlig nahm ich es wahr. Ute, Bea und Oksana waren uns voraus gelaufen und warfen sich vergnügt in die Fluten. Als die Tiefe etwa 1 Meter erreichte, ließen wir Nereida los. Wir spritzten uns gegenseitig nass. "Das bringt Spaß!", jubelte sie. Lisa meinte: "Und jetzt gehe mal langsam in die Knie, Nereida, bis das Wasser an deinen Hals geht." Wir machten es ihr vor. Sie tat es, bis ihr das Wasser zum Hals stand. "Hey, überall Wasser um mich herum!" "Und nun drück mit deinen Händen das Wasser schnell nach unten!" Sie befolgte es, wodurch ihr Dekolleté wieder über die Wasseroberfläche kam. Schön anzusehen, wie es wogte und das Wasser herunterlief! "So kommst du wieder nach oben. Mache es mal ein paar Mal", sagte Lisa. Sie tat es und fand Gefallen daran, wiederholte es einige Male. Sie lächelte. "Nun zeigen wir dir das Untertauchen, bitte schaue genau zu." Wir erklärten es ihr. Sie hörte und sah aufmerksam zu. Ich machte es vor, atmete ein, schloss den Mund und die Augen, ging in die Knie, tauchte ganz unter, drückte die Hände nach unten, atmete aus und tauchte wieder auf. Ich stand ganz dicht bei ihr und passte auf sie auf. Nereida machte es nach, kam nach ein, zwei Sekunden wieder nach oben, schüttelte sich. "Das war ja stark" bekannte sie begeistert. "Mach es ein paar Mal. Und auch mal mit Augen auf." Auch das klappte. "Es sieht alles verschwommen aus. Und blau." "Und atme aus, wenn du dicht unter Wasser bist, und komm dann sofort mit Hilfe deiner Hände wieder hoch", meinte Lisa. Sie stellte sich ihr gegenüber und machte es vor, später gleichzeitig mit Nereida. Es lief alles glatt, zum Glück. Nereida wurde immer sicherer im Wasser. Wir tobten und hatten eine Menge Spaß. Soviel Spaß, dass ich ganz vergaß, dass ich einen Badeanzug trug. Er umgab mich wie eine zweite Haut. Bea rief: "Lasst uns auf die Rutsche gehen." Sie meinte eine etwa fünf Meter breite Kinderrutsche mit etwa zwei Meter Höhenunterschied, die im Nichtschwimmerbecken endete. Nereida war etwas vorsichtig. "Hilfst du mir dabei, Beata?" "Klar, liebe Schwester." So saß Nereida dann mitten auf der Rutsche, flankiert von Beata und Oksana. Ute, Lisa und ich warteten unten im Wasser und feuerten die drei an. Und sie kamen juchzend herunter gerauscht! "Oh wie schön", rief die Turnfee, "gleich noch mal!" Mit wechselnder Begleitung und wachsender Begeisterung rutschte Nereida jubelnd hinab. Wir alle genossen es sehr. Ein charakteristisch gepfiffene Melodie erklang von Land. Ute bemerkte: "Das kommt von Egon, er hat unser Essen fertig. Lasst uns nun herausgehen." In der Zwischenzeit hatten sich schon eine ganze Menge Gäste eingefunden, die auch auf der Rasenfläche lagerten. Schnell waren wir alle wieder bei unserem Lagerplatz. Wir zogen die nassen Badesachen aus und trockneten uns ab. Diesmal ging es ohne Schimpfen. Nereida bekam einen trockenen roten Badeanzug von Oksana zum Wechseln. Ich hatte nochmal kurz Gelegenheit, Nereida hüllenlos und von vorne zu sehen. Nun sah ich es klar: Nereida hatte keinen Bauchnabel, wie alle R-Wi-i. Als sie auf der Erde im Körper einer Menschenfrau landete, hatte sie diese Winzigkeit bei der Genesis ihres irdischen Körpers übersehen. Nun verstand ich auch Oksanas Reaktion, als sie einst im Kaufhaus meinte, ein Bikini sei nichts für Nereida. Sie wusste, dass Nereida keinen Nabel hatte, wollte ihre Freundin vor fremden Blicken schützen. Die anderen Frauen hatten auch alle einen zweiten Anzug mitgenommen. Nur ich und Bea nicht. Bea trug ein Kleid. Ich hatte leider keinen Ersatzbadeanzug. Also musste ich Unterhose und T-Shirt wieder anziehen. Über eine Querstange hängten wir die nassen Badesachen zum Trocknen auf. Egon hatte seine Badehose an und meinte zu uns: "Ich habe vorhin schon gegessen, jetzt gehe ich auch mal schwimmen" und verschwand. Er grübelte immer noch, woher er Nereida wohl kannte. Sie sah ihm hinterher, wie er ins andere Becken ging und dort ihrer Meinung nach merkwürdige Bewegungen machte. Egon hatte eine kleine Fünf-Liter-Warmhaltekanne für uns hingestellt, mit Gulaschsuppe und Nudeln drin. Hungrig, wie wir nach dem Toben waren, verputzten wir alles recht flott. "Hat dir denn das Baden und Rutschen gefallen, Nereida?" fragte Beata. "Oh ja, das war toll! Nun weiß ich auch, warum ihr so gerne baden geht." "Und wie ging das mit euren Badeanzügen?" fragte Lisa. "Der ist schön! Ich habe ihn aber vor lauter Vergnügen gar nicht mehr gespürt!" meinte sie. "So ging es mir auch. Das Gefühl, überall am Oberkörper eingepackt zu sein und die Nässe zu spüren, war zuerst neu und ungewohnt, dann aber vertraut und irgendwann selbstverständlich", bestätigte ich Nereidas Aussage. "Genau", meinte Oksana, "man denkt nicht mehr drüber nach." Nereida kaute den letzten Bissen. Dann fragte sie: "Da sind doch noch andere Becken. Egon ist vorhin dort hinein gegangen. Ich will da auch mal hingehen." "Lieber nicht, denn das Wasser dort ist tief, der Boden also sehr weit unten. Du kannst nicht schwimmen und würdest da untergehen und ertrinken", warnte Oksana. "Da darfst du nur hinein, wenn du schwimmen kannst, Nereida. Du kannst das nicht. Gehe lieber ins kleine Becken zum Toben", sagte Bea kühl. Oh je, Bea ist schon wieder nicht sehr nett zu ihrer Schwester! Nereida schien es zu merken, sie wandte sich von Bea ab und fragte uns: "Bringt ihr mir das denn bei?" "Das geht leider nicht so schnell, da fürs Schwimmen viele ungewohnte Bewegungen koordiniert werden müssen", sagte ich. Nereida sank der Mut. "Aber du hast gute Voraussetzungen, es schneller zu lernen", meinte Ute. Ein Hoffnungsschimmer keimte in Nereida: "Wieso?" "Du hast dich schon sehr gut ans flache Wasser gewöhnt. Du hast gelernt, die Luft anzuhalten, mit dem Kopf unter Wasser zu sein und die Augen zu öffnen, jedenfalls für kurze Zeit", fuhr Ute fort. "Stimmt, das kann ich nun." "Sogar unter Wasser ausatmen schaffst du schon. Das ist ein guter Fortschritt." "Ja. Lustig, wenn die Luftblasen perlen." "Und du drückst mit deinen Händen das Wasser nach unten und kommst so höher aus dem Wasser. Das ist wichtig z.B. für das Brustschwimmen. Ich könnte mir vorstellen, dass du das schnell schaffen könntest", machte Ute ihr Mut. Nereida überlegte. "Also Schwimmen heißt, man drückt das Wasser mit den Armen weg?" "Damit hast du einen wesentlichen Punkt erkannt. Und nicht nur mit den Armen, sondern auch mit den Füßen. Es hilft dir nicht nur dabei, an der Wasseroberfläche zu bleiben, sondern auch, um voran zu kommen, vorwärts zu schwimmen. Du bist sehr gut im Lernen, Nereida", lobte Ute sie. Nereida lächelte zuversichtlich.


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