Die galaktische Turnfee Nereida Drei

Kap. 72: Die Schwimmfee

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Aus Ingos Sicht. Ich war müde, das Toben im Wasser und nun auch noch der volle Bauch nach dem Essen taten das übrige. Die anderen sprachen übers Schwimmen und wie man es lernt. Ich hatte Mühe, dem zu folgen. Nereida war begeistert und voller Energie: "Schwimmen lernen, das möchte ich! Kommt mit mir ins Wasser! Ute, Lisa, Ingo, Oksana, Beata!" versuchte sie uns zu motivieren. "Lasst uns noch warten, bis Egon wiederkommt. Außerdem haben wir gerade gegessen, lasst uns erst mal ausruhen", sagte jemand von uns. Still sitzen war aber überhaupt nichts für eine R-Wi-a wie Nereida. Sie stand auf und begann zu tanzen, für sich. Die Ausstrahlung, die von ihrem Tanz ausging, war einfach mitreißend. Ihr Körper, eingepackt in dem roten Badeanzug, schien uns wortlos zuzurufen: "Kommt und tanzt alle mit mir!" Ich konnte sie beim besten Willen nicht allein tanzen lassen, zog mir meine Hose an, stand auf, tanzte mit. Obwohl ich müde war und überhaupt keine Lust hatte. Sie lächelte mich an, drehte sich ein paar Mal. Es war ein echtes Erlebnis, wie federleicht sie sich bewegte. Sie dachte: Beata-ke-re-ses reis dei op oh hob me l mei oh mo te en wer her me l mei. Beata konnte nicht anders, als Nereidas Aufforderung nachzukommen. Sie stand sofort auf und tanzte mit ihrer Schwester. Sie war wie ausgewechselt und strahlte, tanzte synchron zu Nereida. Während ihres Tanzes breiteten die Schwestern ihre Arme weit aus und umarmten sich dann selber, jede für sich, stampften abwechselnd mit dem linken und dem rechten Fuß auf den Boden, und riefen "Hey!" Und das wiederholten sie immer wieder. Dabei drehten sie sich langsam um sich selbst. Lisa, Oksana, Ute und ich machten ebenfalls begeistert mit. Wir standen alle im Fokus der anderen Badegäste. Einige kamen neugierig näher. Die ersten fremden Leute wurden mitgerissen und tanzten mit uns. Fast wie mechanisch! Fünf Minuten später waren es schon 30 Leute in Bewegung! Alle waren gut drauf. Ein Aufseher kam und rief, wir sollten aufhören, sonst würde er die Polizei rufen. Wir waren beinahe wie in Trance, der Tanz machte uns froh, gut gelaunt und unerreichbar für Befehle fremder Leute. Der Aufseher schaute Nereida an und wollte sie stoppen, sogar mit Gewalt, wie es schien. Es gelang ihm nicht. Sie durchbohrte ihn mit ihrem Blick, genauso wie sie einst Laura mit ihrem Blick durchbohrt hatte. Er erlag ihrem Zauber, ihrem Tanz - und tanzte selber willenlos mit! Nereida strahlte wie verrückt, tanzte mit vollem Elan weiter! Sie musste doch eine Zauberfee sein, wie konnte das sonst alles passieren? Auch Beata stand ihr in nichts nach. Die beiden R-Wi-a hatten uns alle verzaubert! Nun waren sämtliche Leute auf dem Rasen am Tanzen, wohl 100 Badegäste. Was für eine Energie! Einer davon fragte uns: "Na, seid ihr satt geworden?" "Ja, dicke! Das war echt reichlich, und gut", antwortete jemand anderes. Ich schreckte auf. Ich musste erst mal erkennen, wer da redete, was passiert war und schaute mich um. Ute lag neben Oksana und unterhielt sich leise mit ihr, Bea saß aufgerichtet, eine Illustrierte in ihrer Hand. Die anderen Badegäste lagen still auf ihren Decken. Und auch ich lag auf meiner Decke! Lisa ruhte neben mir und schlief. Außer dem klitschnassen Egon stand niemand. Niemand tanzte hier! Nur Nereida tänzelte langsam alleine und für sich an der Hecke. Ich hatte geträumt! Egon hatte gefragt, und Bea hatte ihm geantwortet. Die anderen schauten sich zu ihm um. Nereida hörte auf zu tanzen. Lisa wurde durch die Stimmen und das Gewühl wieder wach. "Na dann ist ja alles gut", lachte Egon. "Kommt noch mal jemand mit mir ins Wasser und lehrt mich das Schwimmen?" fragte Nereida erneut. "Ich komme mit dir", sagte ich. Ute und Oksana hatten auch Lust. Nereida freute sich. Wir zogen uns wieder um, ohne dass Bea schimpfte. Sie hatte wohl dazugelernt. Aber trotzdem war sie nicht gut drauf und blieb auf der Decke sitzen. Ute dachte nach. Sie hatte eine Idee. Mal sehen, ob es klappt. Mein Badeanzug war nur halb getrocknet, und ich hatte Schwierigkeiten, ihn anzuziehen, da er auf der Haut zu kleben schien. Lisa half mir, damit er wieder gut saß. Die Turnfee war jetzt erheblich selbstbewusster. Sie eilte voraus ins Nichtschwimmerbecken, wir konnten ihr kaum folgen! Im hüfthohen Wasser drehte sie sich um und spritzte uns nass! Zuerst ging es drei gegen eine. Oksana wechselte dann auf ihre Seite und half ihr. Ute und ich spritzten zurück, eine richtige Wasserschlacht folgte. Das brachte einen Riesenspaß! Während einer kurzen Verschnaufpause dachte Ute an ihr Vorhaben und fragte sie: "Nereida, schau mal, kannst du das auch?" Sie ging in die Knie, streckte die Arme nach vorne aus, stieß sich kräftig ab und glitt bäuchlings ein paar Meter auf dem Wasser. Nereida schaute ihr zu. "Ich probiere es mal." Und siehe da, auch bei ihr klappte es. "Super, Nereida!" riefen wir. Sie strahlte. Oksana und ich taten es ihr nach. Ein paar Mal wiederholten wir das ganze. Nereida glitt fabelhaft auf dem Wasser. "Probiere es, indem du vorher Luft holst und unter Wasser langsam ausatmest. Wenn du keine Luft mehr hast, hebst du den Kopf aus dem Wasser." Ute machte es wieder vor. Nereida folgte ihrem Beispiel. "Puhh!" rief sie nach dem Auftauchen und schnappte nach Luft. "Sehr schön, mache es ein paar Mal." Wir anderen übten links und rechts von ihr mit. "Schön, Nereida!" rief Oksana. "Weißt du Nereida, damit hast du ein weiteres Element des Schwimmens kennen gelernt: Das Gleiten auf dem Wasser", erklärte Ute. Nereida freute sich über ihre Fortschritte. Ute hatte echt Talent, Nereida zu motivieren, im Gegensatz zu Bea. Dabei ist doch Bea eigentlich die Sportlehrerin und Trainerin! Ute machte weiter. Sie erklärte Nereida die Handbewegung des Brustschwimmens: "Hocke dich hin, strecke die Arme nach vorne, stelle die Hände quer und drücke das Wasser mit deinen Armen nach hinten. Dann stelle die Hände flach und führe sie wieder zurück nach vorn. Ich mache es dir ein paar Male vor." Sie tat wie geheißen, und Nereida verfolgte gebannt Utes Bewegungen. "Nun mach du es mal. Ich helfe dir auch." Eins muss man Nereida ja lassen: Sie ist ein Naturtalent für Bewegungen. Nach höchstens drei Versuchen machte sie es richtig. "Es zieht mich nach vorne, Ute", meinte sie, "ich habe Mühe, stehen zu bleiben." "Sehr schön erkannt, denn du drückst das Wasser nach hinten und das zieht dich beim Schwimmen vorwärts." Wir sahen an ihrem Gesichtsausdruck, wie sie nachdachte und es begriff. "Und nun verbinden wir das mit dem Gleiten von eben." Ute stieß sich ab, glitt auf dem Wasser und atmete aus, drückte die Arme nach hinten und hob den Kopf aus dem Wasser, atmete ein. Wir machten es nach. Schließlich auch Nereida. Sie kam nicht allzu weit. Wir redeten mit ihr freundlich, machten ihr Mut. Sie schaffte danach schon zwei, drei Züge. Einige Male wiederholte Nereida die Übung. Sie konnte das echt gut. "Das klappt schon, aber irgendwas bremst mich. Meine Beine wohl", sagte sie. "Das stimmt", meinte Ute, "und dazu kommen wir jetzt. Gehen wir zum Beckenrand." Wir anderen machten immer mit. Ute forderte Oksana auf: "Mach am Beckenrand mal die Beinbewegungen des Brustschwimmens. Ich erkläre es dann Nereida." Oksana stellte sich mit ihrer Vorderseite zum Beckenrand, ging in die Knie, legte ihre Arme auf den Beckenrand und machte die typischen Beinbewegungen im Wasser. "So musst du die Beine bewegen. Wie ein Frosch." "Was ist denn ein Frosch?" fragte Nereida verwundert. Ute schaute ungläubig. Um Ute keine Zeit für kritische Nachfragen zu geben, antwortete ich schnell: "Das ist ein kleines Wassertier. Es bewegt seine Beine beim Schwimmen so wie hier Oksana. "Ach so." "Mache es doch auch mal, ich helfe dir mit deinen Beinen", meinte Ute. Sie legte sich auf den Beckenrand und versuchte die Übung zu machen. Es klappte noch nicht. Ute führte ein paar Male Nereidas Beine. "Bei jedem Tritt mit meinen Beinen nach hinten fühle ich einen Stoß nach vorne." "Sehr schön beobachtet, Nereida. Nicht nur die Arme, auch die Beine treiben dich voran." Ich sah ein Regal mit Schwimmgeräten, hatte eine Idee. "Ich hole mal was, Ute." Mit diesen Worten ging ich zu einem Schwimmmeister und entlieh mir ein Schwimmbrett. Wie auch schon beim vorigen Schwimmen hatte niemand was zu meinem Badeanzug gesagt, weder das Aufsichtspersonal noch die anderen Badegäste. Es sah ganz natürlich aus! Mit dem Schwimmbrett kehrte ich zu den anderen zurück und winkte. "Das könnte nützlich sein, Ute." Ute sah mich kommen. "Klasse, Ingo! Nun brauchen wir den Beckenrand nicht mehr." Ute zeigte Nereida, wie sie die Beinbewegung mit dem Schwimmbrett durchführen muss. Auch das meisterte sie recht gut. Dann band Ute die Armbewegungen mit ein und klemmte dafür das Schwimmbrett unter Nereidas Bauch. Wir unterstützen Ute, indem wir mitmachten und ihr und Nereida halfen. Aber oft standen Oksana und ich da und staunten ob der enormen Lernfortschritte Nereidas. Zwar noch etwas hakelig und nicht so geschmeidig, aber deutlich als Brustschwimmen erkennbar. Sie wurde immer sicherer, lernte echt schnell! Und wir lobten sie stets, was sie weiter motivierte. Schließlich war der Moment gekommen. Ute wurde feierlich. "Wir probieren es jetzt mal ohne das Schwimmbrett. Das Wasser trägt dich. Du bist sehr gut davor. Wir sind stets bei dir und helfen dir notfalls. Gib mit deinen Beinen einen Anstoß und schwimme los." Was wir noch am Morgen nie für möglich gehalten hatten, trat ein: Nereida schwamm! Sie schwamm, ohne Schwimmhilfen, begleitet von uns. Als wir am anderen Beckenrand ankamen, jubelten wir alle. "Du hast es geschafft, Nereida!" riefen Ute, Oksana und ich. "Jaaaa!" Nereida streckte ihre Arme in die Höhe und tanzte im Wasser. Wir umarmten sie freudig. "Toll gemacht! Geliebte Zauberfee, du bist ab heute auch Nereida, die Schwimmfee!" lobte Oksana sie. Nereida strahlte. "Ja, das klingt gut. Ich bin die Schwimmfee! Um sicher zu gehen, probiere ich es nochmal." Auch der Rückweg klappte problemlos. Und noch einige weitere Male bewies Nereida, dass sie es tatsächlich konnte! Mir kam ein guter Einfall. "Soll ich mal Bea und Lisa holen? Ich verrate ihnen aber nichts. Und wenn wir ins Becken kommen, winke ich und du schwimmst zu uns hin. Wir überraschen die beiden." "Ja, Ingo, gute Idee, so machen wir das. Hol die beiden mal. Vielleicht mag Bea mich ja dann wieder." Dieser Satz ging mir durchs Mark. Ich dachte daran, wie sehr Nereida um Beas Anerkennung rang, nach all den Ärgernissen heute. Sie wollte von Bea für voll genommen werden. Sie wollte, dass ihre Schwester stolz auf sie ist. Ich verließ das Becken, dachte nach. Wie kann ich Bea motivieren? Hmm... Nur die R-Wi-a Tinaxana Beata könnte Nereida annehmen. Nur ihre echte Schwester. Bei der kühlen Erdenfrau Tabea hätte sie keine Chance. Egon las Zeitung, Bea und Lisa lagen auf den Decken und unterhielten sich. Sie sahen mich kommen. "Lisa und Bea, zieht doch bitte noch mal eure Badeanzüge an und kommt mit ins Wasser. Ich möchte euch was zeigen." "Gern, Schatz", meinte Lisa und stand sofort auf. Sie hatte ja bereits einen Badeanzug an. "Ich möchte heute nicht mehr ins Wasser", sagte Bea missmutig. Ich sah ihr fest ins Gesicht: "Bea, ich bitte dich, mitzukommen." Sie machte keine Anstalten, was zu tun, lag weiter auf der Decke. "Be-a-ta", ich betonte deutlich jede Silbe ihres R-Wi-Namens, "Beata, du tust mir damit einen Gefallen." Ein Ruck ging durch sie hindurch. Ich merkte es an ihrem kurzzeitig verzerrten Gesichtsausdruck, aber mein Wunsch war noch nicht stark genug. Sie blieb liegen. "Beata, ich bitte dich, lass Tabea hier liegen und komme als Beata mit." Sie richtete sich schon mal auf, wurde nachdenklich, ihr Widerstand nahm ab, war aber noch präsent. "Ich weiß nicht so recht." "Ich möchte dir was zeigen, worüber du dich freuen wirst, Beata. Es wird dir gut tun." Bea setzte sich auf ihren Achtersen. Mein Nachbohren führte langsam zum Ziel. "Bitte komme mit als die herzliche und liebevolle R-Wi-a Tinaxana Beata, die ich einst kennen und schätzen gelernt habe." Ich hatte sie fast soweit, blickte sie fest, aber freundlich an und lächelte. Sie atmete tief. "Na gut. Deinetwegen." "Ja, Beata, ich freue mich. Aber lass Tabea hier, versprochen?" "Gut, ich verspreche es." Beata zog ihr Kleid aus und ihren Badeanzug wieder an. Sie erhob sich und kam mit, ich war zufrieden. Egon blieb zurück. Lisa, Beata und ich gingen zum Nichtschwimmerbecken, hinein bis zum hüfttiefen Wasser. Ich forderte beide auf, stehen zu bleiben. Nereida, Oksana und Ute standen etwa 15 Meter entfernt. Ich winkte ihnen, sie winkten zurück. "Beata, schau zu den dreien." Was sie dann auch tat. Nereida winkte uns zu, legte dann ihren Oberkörper aufs Wasser, streckte die Arme nach vorne, stieß sich vom Boden ab und begann zu schwimmen, in unsere Richtung. Beata schaute verblüfft. Sie machte große Augen. Lisa staunte ebenfalls. Nereida schwamm näher. Und schon recht sicher! Ute und Oksana begleiteten sie schwimmend links und rechts von ihr. Beatas Mund stand offen. Sie begann zu zittern. So viele Gedanken schossen ihr durch den Kopf. Kann das wahr sein, was sie da sah? Dahinten kommt ihre eigene Schwester angeschwommen, die bis zum Vormittag noch nie jemals in irgendwelchen Wasserbecken auch immer gewesen ist! Für die das Schwimmen ihr Leben lang ein Fremdwort gewesen ist. Und diese Schwester konnte auf einmal schwimmen? Nereida hatte nun die halbe Strecke auf dem Weg zu Beata zurückgelegt. Immer, wenn sie ihren Kopf aus dem Wasser hob, lächelte sie ihre Schwester an. "Hey, Nereida kann schwimmen! Das ist ja super!" rief Lisa. Sie schaute mich begeistert an. Ich nickte ihr zu, nahm sie in den Arm. Beata konnte nichts sagen, so sehr nahm die Situation sie in Gewahrsam. Sie schaute weiter wie erstarrt auf Nereida. Sie sah ihre Schwester heran schwimmen und lächeln und dachte: Wie konnte das sein? Dieselbe Schwester, die von ihr am Vormittag noch nieder gemacht wurde, lächelte sie nun an! Dieselbe Schwester schien nicht mehr nachtragend zu sein, obwohl sie allen Grund dazu hätte! Beata dachte bekümmert daran, dass sie ihr sagte, dass sie nicht schwimmen könne und lieber ins kleine Becken zum Toben gehen solle. Und diese Schwester hatte nun alles getan, um es ihr zu beweisen! Beata erkannte auf einmal, worum es Nereida ging, eben dass Nereida um ihre Anerkennung kämpfte. Ihr wurde erneut schmerzlich bewusst, was sie durch ihr Verhalten am Vormittag ihrer Schwester angetan hatte. Ihre Augen wurden feucht. Nereida war bis auf zwei Meter herangekommen, hielt an und stand auf, strahlend. "Ich habe es geschafft, Beata-ke-re-ses!" Beata weinte vor Freude. "Ich bin vollkommen überrascht, was für eine großartige Leistung, ganz toll! Ich bin so stolz auf dich, Nereida-ke-res-te-ses!" und lief ihr entgegen. Auch Nereida hatte Tränen in den Augen. Ihre ältere Schwester hatte sie gelobt! Ehrlich und aufrichtig gelobt! Die beiden Schwestern umarmten einander, schluchzend. Beata gratulierte Nereida leidenschaftlich. Ich bekam gar nicht alles mit, was sie miteinander sprachen. Sie standen dann nur stumm da, dachten so vieles: Beata: Liebe Nereida, was mir schwer auf dem Herzen liegt - ich hatte dir leider sehr weh getan, heute Vormittag! Das wollte ich gar nicht. Das war Tabeas Missmut darüber, was ihr die letzten Tage an schlimmen Dingen passiert ist. Du solltest Tabeas Zorn nicht abbekommen. Es tut mir so leid! Nereida: Liebe Beata, da habe ich mich so niedergemacht gefühlt, so verstört und traurig war ich. Beata: Ich schäme mich sehr. Meine Tat von heute morgen bereue ich zutiefst. Kannst du mir verzeihen? Nereida: Ich kann, aber bitte schimpfe nicht mehr mit mir. Auch wenn ich nur deine kleine dumme Schwester bin, die so vieles nicht weiß. Beata: Du bist überhaupt nicht dumm! Und du bist nicht klein, sondern ganz groß, liebe Nereida, ich hatte dich unterschätzt. Das Schimpfen soll nicht mehr vorkommen. Nereida: Ach Beata, ich wünsche mir sehr, dass du immer meine Schwester Beata bist, und nicht diese Tabea. Beata: Ja, Nereida, ich auch. Ich bin auch viel lieber Beata als Tabea. Weißt du, Ingo hatte mich eben gebeten, ins Becken zu kommen. Ich wollte zuerst nicht. Nereida: Du bist aber gekommen. Was hat dich umgestimmt? Beata: Ingo hatte darauf bestanden, Tabea zurück zu lassen und Beata sollte ins Becken kommen. So ist es auch gekommen. Vor dir steht nun Beata. Deine Schwester Tinaxana Beata. Nereida: Oh wie schön, liebe Beata! Die beiden drückten sich fest aneinander. Beata: Ich habe auch eine Bitte an dich: Sollte ich irgendwann wieder komisch reagieren, sprich mich deutlich mit Beata-ke-re-ses an, bitte. Damit hilfst du auch mir. Nereida: In Ordnung, Beata, ich werde daran denken. Die beiden lösten sich wieder voneinander, erleichtert und froh. Wir warteten ab, wussten, dass die beiden Schwestern miteinander kommunizierten, bekamen den Inhalt aber nicht mit. Lisa trat auf sie zu, beglückwünschte Nereida herzlich und umarmte sie. Ute und Oksana kamen zu uns, freuten sich mit uns. Beata und Nereida tanzten umeinander, plumpsten ins Wasser, lachten, standen auf und tanzten weiter. So wie es das Wasser hergab. Ich merkte, nun war die Harmonie wirklich wieder hergestellt! Oksana, Ute und ich erzählten Beata und Lisa, wie wir Nereida das Schwimmen beigebracht hatten. Beata dankte Ute für ihre erfolgreichen Leistungen: "Du hast das so toll gemacht, woher kannst du das?" Ute entgegnete: "Ich hatte es genauso meiner eigenen Tochter beigebracht. Nur hatte sie etliche Tage dafür gebraucht. Nereida hingegen hat ganz schnell gelernt, heute in gerade mal etwa drei Stunden! Sie ist ein wahres Wunder! Noch nie hat jemand so schnell schwimmen gelernt wie sie! Ich bin selber sehr überrascht. Nereida, du bist einmalig klasse!" Nereida strahlte: "Danke Ute! Du hast mir das echt gut erklärt. Oksana und Ingo haben mich auch erfolgreich unterstützt. Ich bin total glücklich, dass ich es jetzt kann!" "Vielleicht hat auch ein kleines bisschen dein neuer Badeanzug geholfen", lächelte ich. "Er fühlt sich gut an, vielleicht gleitet man damit auch wirklich besser durchs Wasser." Wir tollten noch vergnügt im Wasser umher. Und Nereida schwamm zwischendurch auch immer mal wieder und freute sich darüber. Anschließend gingen wir wieder raus, trockneten uns ab und plauderten zusammen auf der Decke. Ute fragte nebenbei Nereida, wie sie Oksana denn kennengelernt hatte. "Ich kam heute vor zwei Wochen zum Marktplatz, auf der Suche nach meiner Schwester. Sie war aber nicht da. Es war windig und kalt. Zum Glück trug ich mein langes rotes Kleid. Auf einmal krachte der Donner, ich bekam Angst und rannte nur noch weg." Egon bekam große Augen, sein Mund stand offen: "Jetzt weiß ich endlich, woher ich dich kenne! Du warst das, die an dem Gewittertag vor mein Auto lief! Ich hatte dich fast überfahren!" Wir alle waren erstaunt. "Pardon Egon, aber ich war so in Panik, dass ich weiter rannte. Ich suchte Schutz", meinte Nereida. So hatten Ute und Egon doch noch erfahren, wer da vor zwei Wochen vor ihren Wagen lief! Die Sonne verschwand langsam hinter den hohen Bäumen und es wurde kühler. Ein schöner Tag neigte sich dem Ende zu. Wir verließen das Freibad und plauderten noch vorm Eingang. Beata und ich trugen wieder alleine die Sachen zu ihrem Wagen. Als wir die Sachen verstaut hatten, sagte Beata außer Hörweite für die anderen zu mir: "Ich habe dir sehr zu danken, Ingo. Denn du hast mich heute sehr deutlich und auch notwendigerweise drauf gestoßen, meine Denkweise, mein Reden und mein Handeln gegenüber Nereida zu ändern." "Dass es dir bewusst wurde, hat mich auch gefreut. Denn Nereida leidet darunter, oft wie die dumme und unreife kleine Schwester behandelt zu werden." "Ja, ich weiß es inzwischen. Als ich es endlich erkannte, tat sie mir von Herzen leid. Die Änderung in mir begann, als du an Tinaxana Beata, die R-Wi-a in mir, appelliert hattest. Besonders beim zweiten Mal, wo ich mitkommen sollte." "Richtig. Ich konnte dein Herz nur über Beata anrühren. Und Nereida sucht deine Anerkennung, Beata." "Ja, sie hatte verzweifelte Anstrengungen unternommen, dass ich stolz auf sie sein sollte. Sie hat an einem einzigen Tag das Schwimmen gelernt. Das ist phänomenal! Tabea hatte dafür drei ganze Wochen benötigt." "Stimmt, das ist eine großartige Leistung von ihr. Jedoch vermisst sie die liebevolle Beata und leidet unter der kühlen Tabea." "Ich musste heulen, als ich im Wasser stand und das erkannte! Ich sehe das auch als Problem, meine zwei Persönlichkeiten Tabea und Beata. Denn auch Tabea will zu ihrem Recht kommen. Ich will in Zukunft aber versuchen, sooft wie möglich Beata für sie zu sein." "Ich würde mich sehr darüber freuen. Lass dich umarmen, liebe Beata!" Sie ließ es geschehen. Wir gingen zu den anderen zurück, die noch am Eingang standen. Beata meinte: "Nereida-ke-re-ses, du brauchst nicht in meinem Auto mitzufahren, wenn du nicht möchtest. Du müsstest dann mit Ingo mitgehen. Er kennt den Weg. Dein Gepäck musst du aber nicht tragen, ich nehme es im Auto mit. Oksana kommt mit mir mit." Nereida war erstaunt. "Danke Beata. Ich hatte mich schon etwas gefürchtet, da wieder mit zu fahren. Danke, dass du mir eine Wahl lässt." Sie umarmte ihre Schwester zum Abschied noch mal innig. Die anderen gingen dann auch ihrer Wege. Ich brachte Nereida nach Hause. Wir plauderten beim Spaziergang über den gelungenen Tag. Ich erzählte ihr von meiner Vorgehensweise, wie ich Bea herumkriegte, nochmal ins Becken zu kommen. Nereida dankte mir sehr für meinen Einfluss auf Bea und umarmte mich dafür! Mir fiel mein Tagtraum vom Massentanz ein und erzählte ihn Nereida. Sie war erfreut und fragte mich, wie sie denn in meinem Traum getanzt hatte. Ich wusste es leider nicht mehr. Nereida lächelte verzückt, wechselte das Thema und schwärmte dann groß und breit schon vom nächsten Tag. Der Tag, von dem an sie auch beruflich eine Tänzerin sein würde.


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