Die galaktische Turnfee Nereida Drei

Kap. 74: Im Hotelrestaurant

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Dienstag Nachmittag. Ein etwas schräger Laden, nicht weit von Kassels Innenstadt. Wer keine fernöstlichen Industrietextilien, sondern was Individuelles, Besonderes haben wollte, war Kunde in der "Rasenden Nähnadel". Hier arbeitete Lisas Schwester Xenia zusammen mit ihren Kolleginnen Katrina, Gesche und Elke. Sie waren allesamt Modeschneiderinnen Anfang vierzig, die sich bereits von der Berufsschule her kannten, und Elke hatte danach als Einzige noch ihren Meister gemacht. Gesche arbeitete in der Schneiderei ihres Vaters, zusammen mit Katrina und Xenia. Leider starben Gesches Eltern schon recht früh bei einem Unfall, als sie 30 Jahre alt war. Ohne Geschwister war sie somit die Alleinerbin des zwei Jahre zuvor modernisierten Ladens ihres Vaters, inklusive Grundstück. Nun gehörte ihr der Laden, sie brauchte keine Miete zahlen und war schuldenfrei! Zur der Zeit war Elke auch auf Suche nach Arbeit. Sie übernahm als Meisterin die kaufmännische Leitung der "Rasenden Nähnadel". Und Katrinas Bruder Roland beriet die vier als Anwalt in allen rechtlichen Dingen. Die vier taten sich zusammen, bildeten ein enges Team und waren sehr kreativ. Das sprach sich herum, und die Kunden kamen und kauften. Heute war Xenia besonders hibbelig. Sie dachte fortwährend an den Abend. Um halb sechs machte sie Feierabend, fuhr rasch nach Hause, duschte, und zog sich um. Natürlich hatte sie wieder ihre rot glänzende Leggings an, ihr Markenzeichen. Und eine schwarze Tunika mit roten Muster, von ihr selber entworfen und geschneidert. Xenia fuhr zum vereinbarten Treffpunkt. Haufenweise Gedanken zogen ihr durch ihren Kopf. Sie ging zum Eingang eines weiß getünchten, dreistöckigen, ruhig gelegenen Gebäudes. Das was das Restaurant und Hotel "Düsseldorfer Hof", von seinen Stammbesuchern liebevoll "Düss" genannt. Xenia schaute auf ihre Armbanduhr. Punkt 19 Uhr. Mit Pünktlichkeit hatte sie es gewöhnlich nicht so, aber heute war alles anders. Sie betrat den Gästeraum. Ein langer Holztresen lud zum Verweilen ein. Rustikale Holzstühle mit blau-weißem Sitzkissen sowie blau-weiße Tischdecken versprühten ländlichen bayerischen Charme. Zwei Gäste saßen am Tresen und sprachen mit dem Wirt, an drei Tischen saßen weitere Gäste beim Essen. Ein Kellner kümmerte sich um die Gäste. Ein Gast erhob sich, als Xenia in die Runde grüßte. Er kam auf sie zu, gekleidet mit einem legerem Shirt, Jeansjacke und einer schwarzen glänzenden Leggings. Xenias Herz machte einen Satz, als sie ihn sah: "Hey Börni!" "Tagchen, Xeni, meine kleine Tanzmaus!" grüßte er lächelnd. Sie umarmten einander kurz und gingen zu Bernds Tisch. Der Kellner kam und nahm die Bestellung auf. "Ich bin voll begeistert, dass du in meine Stadt gekommen bist. Schön, dass du da bist." Xenia strahlte. "Auch ich habe mich sehr gefreut, dich wieder zu sehen. Endlich!" Die beiden umarmten einander erneut. Bernd gab ihr einen kleines Küsschen auf die Stirn. Xenia registrierte es wohlwollend, war wie elektrisiert. Sie zügelte aber ihre Gefühle für Bernd, auch wenn es ihr schwer fiel, und schwenkte um aufs Plaudern. "Was treibt dich denn hierher, außer mir natürlich?" Bernd erzählte von seinem Beruf, seinen Aufgaben. Er war Außenhandelsvertreter und reiste oft zu Kundengesprächen in ganz Deutschland umher. Einige seiner Kunden saßen in Kassel, so hatte er die ganze Woche in der Documenta-Stadt zu tun. "Das ist so in etwa das, was ich täglich tue. Und was machst du so? Nebenbei bemerkt, du siehst ja blendend aus! Auch dein Top ist Topp!" Xenia errötete. "Das Top ist meine Tunika, ich habe sie selber entworfen und geschneidert." Bernd zog anerkennend die Augenbrauen hoch. "Klasse, woher kannst du das?" "Das ist mein Beruf. Ich bin gelernte Modeschneiderin." "Ich bin verblüfft. Das hast du wirklich super hin bekommen. Machst du all deine Kleidung selbst?" "Jo, bis auf Unterwäsche, Socken und Wintermäntel." "Dann schneiderst du auch deine Leggings selber?" "Klaro! Jede meiner Leggings ist eine echte 'Made by Xeni'! Diese hier natürlich auch." Sie zog ihr Bein hervor und zeigte Bernd ihre rote glänzende Leggings, strich langsam drüber und lächelte ihn keck an. "Guck mal!" Bernd bekam große Augen. Dieser Glanz! Es juckte ihn, ihre Leggings zu berühren. Wenn er mit ihr doch nur nicht in diesem Lokal säße, sondern irgendwo privat! Alles an Xenia schien ihm nun zu sagen: Nimm mich! "Fass mal an!" wisperte sie. Er konnte nicht widerstehen, die Gier war größer. Seine Hand fuhr langsam Richtung Xenias Bein. Bernd merkte aufgeregt, wie seine Fingerkuppen Xenias Leggings erreichten. Es prickelte stark! Wie elektrisierend! Xenia fühlte dasselbe, war angetan, vergaß alles um sie herum. Nicht aufhören, hoffentlich macht er weiter, dachte sie. Plötzlich ein Schatten! "Schweinsbraten mit Semmelknödel und Krautsalat und ein halbes Hendl mit Pommes und Salatteller, bitteschön!" Schlagartig ausgebremst, zuckte Bernd zusammen, zog die Hand schnell zurück. Xenia warf heimlich einen wütenden Blick auf den Kellner. Bernd bekam es mit. Die gerade angeheizten Gemüter kühlten rasch ab. Sie nahmen schließlich ihr Essen ein. Bernd hatte tüchtig Kohldampf. In Nullkommanix hatte er seinen Gummiadler verputzt. Xenia staunte. Nach dem Essen unterhielten sich die beiden über ihre Hobbys. Xenia erzählte von ihrer Aerobicgruppe, in der sie schon über zehn Jahre trainierte. Und Bernd von seinem Schwimmtraining, das er absolvierte, sofern er zuhause war. Auf Dienstreise musste er leider darauf verzichten. Er bedauerte das, fehlte ihm unterwegs doch irgendwie der sportliche Ausgleich im Wasser, nach den anstrengenden Besprechungen. "Börni, du kannst aber auch hier schwimmen, wir haben hier einige nette Schwimmbäder." "Und haben die denn abends länger auf?" "Ja, das Auebad, da kann man bis 20 Uhr noch hinkommen und eine Stunde da bleiben." "Da würde ich gerne mal hin, aber ich habe keine Badesachen mitgenommen. Daran habe ich gar nicht gedacht. Und die Läden haben zu, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin, kann also keine Badesachen kaufen." Xenia griente bis zu den Ohren, sie hatte einen von ihren plötzlichen Einfällen. "Null Problemo, Börni! Damit kann ich dir aushelfen." Bernd schaute erstaunt. "Xeni, wie willst du das denn machen?" "Na, du kriegst von mir ein Handtuch, Duschgel und einen Badeanzug." Er schaute überrascht. "Einen Badeanzug?" "Logo. Oder einen Turnanzug, was du willst." Bernd war noch irritierter, sagte nichts. Einen Turnanzug? Wieso Turnanzug? Er hat den Scherz wohl nicht verstanden, dachte sie. Sie sah immer noch seine Verblüffung und klärte ihn auf: "Was ich damit sagen wollte, Badehosen habe ich nicht. Und Bikinis und deren Slips finde ich nicht so doll für dich. Daher mein Vorschlag mit einem Badeanzug von mir." Bernd sprach leiser, wollte vermeiden, dass die Leute am Nebentisch mithören. Doch die bekamen von den beiden nichts mit. "Du meinst, ich soll einen Badeanzug von dir anziehen? Geht das denn?" "Ja sicher geht das." "Und was ist mit dem Badepersonal?" "Die Aufseher sagen nichts." Bernd schaute ungläubig. "Und von der Größe, passt mir denn dein Badeanzug?" Xenia lächelte lüsternd. "Komm doch mit zu mir nach Hause, Börni, zur Anprobe. Ich assistiere dir sehr gerne!" --------------- grienen (plattdt.) = grinsen, feixen, lächeln


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